Ein Archivbild aus der Vergangenheit, das unseren momentanen Blick auf die nächsten Wochen und Monate zeigt. Es ist auch egal, ob ich meinen Blick auf die Schulöffnungen am Montag richte, auf die extrem angespannte Arbeitssituation, auf die steigenden Zahlen oder das gesamte Weltgeschehen. Es ist eine unsichere Zeit ohne Stabilität. Unbeständig würde man beim Wetterbericht wohl sagen. Das Töchterchen und ich diskutieren bei jeder langen Hunderunde, wie wir uns die Situation erleichtern können, aber scheitern irgendwie meist am "wenn" und "falls". Eigentlich können wir nicht viel tun als abzuwarten, auszuharren und bleiben wir beim Foto, zur nächsten Laterne laufen.
Die nächste Laterne ist wohl der Montag! Die Schule hat sich gemeldet, das grobe Rüstwerk steht. Hier wird der Regelunterricht Montag gestartet, das grobe Gerüst der Maßnahmen steht. Es wird keine Maskenpflicht im Unterricht geben, wer eine aufziehen mag, kann das tun. Ausserhalb der Klasse gilt die Maskenpflicht im und auf dem gesamten Schulgelände. Es gibt eine klare Anweisung, wie mit Schnupfen und Co. umgegangen wird. Abseits von Corona weiß das Töchterchen nun den groben Stundenplan, da es aber weder weiß in welcher Klasse es landet - es gibt 4 - noch, ob ihre Erstwünsche bei den Wahlfächern berücksichtigt wurden, muss sie den Montag abwarten. Fakt ist, sie wird sehr lange in der Schule sein, was aber nicht an den Gesamtstunden selbst liegt, sondern in der Tatsache, dass sie oft mitten drin 1-3 Freistunden hat oder eben erst zur 3. Stunde Unterricht hat. Letzteres ist ja kein Problem in der Corona-Zeit, aber ich frage mich, wie sie das mit 3 Freistunden machen wollen, viele Kids kommen nicht direkt aus Marburg und können nicht nach Hause gehen. Womit Sicherheitsabstand, Hygienemaßnahmen und Co. beim Schulgelände verlassen ganz im Ermessen der Schüler liegt. Und ich wage mal zu bezweifeln, dass alle 16jährige da so umsichtig sind, wie wir das hier handhaben. Das Töchterchen hat ein paar Ideen für diese Zeit und ich drücke ihr die Daumen, dass sie dafür ein paar wenige Mitstreiter in ihrer neuen Klasse findet.
Ausserdem jonglieren wir schon in der ersten Woche mit dem Geigentermin. Die Geigenlehrerin hat schon den ersten verschoben und prompt genau auf den Tag, an dem sie ganz sicher 11 h hat. Nun versuchen sie in der ersten Woche auf einen Nenner zu kommen, die weitere Planung dann erst, wenn die zweite Laterne in Sichtweite kommt. Nämlich der genaue Stundenplan!
Für uns wird sich enorm viel ändern im Alltag! Es fährt weder ein Bus zur 3. Stunde, noch einer nach der 9.! In Corona-Zeiten fällt ein Rumlungern vor oder in der Schule flach, also braucht sie Mama- bzw. Oma-Taxi. Ob das Oma-Taxi bei steigenden Zahlen noch zu verantworten ist, müssen wir dann abwarten. Klar ist, dass ich sie zumindest am Mittwoch und Freitag oben am Tannenberg abholen muss. Da hier ja die Fußballtermine wegfallen, ist das nicht weiter schlimm und vielleicht ergibt sich ja mit anderen die Möglichkeit sich den Chauffeurdienst zu teilen....wenn es Corona zu lässt!
Witzig bzw. amüsant ist, dass ihre ehemalige Bio-Lehrerin mit der sie ja wirklich persönliche Differenzen hatte, eine Klasse übernimmt und fast in jeder anderen Klasse mind. ein Fach übernimmt. Wie sagte sie damals zum Töchterchen:" Wir sehen uns bestimmt in der Oberstufe wieder!" Wenn es blöd läuft, erwischt sie sie auch noch als Klassenlehrerin. Aber es sind einige Jahre vergangen, das Töchterchen hat sich verändert und ich denke mal, das läuft schon! Aber es hat uns beim Anschauen des Lehrerpools ein lautes Lachen beschert. Viele Lehrer kennt sie gar nicht, wahrscheinlich sind das neue Lehrkräfte, andere sind okay, ein paar eher *örgs*. Das Übliche halt!
Wichtig ist eigentlich nur, dass sie mit ihrer einen Freundin in eine Klasse kommt und die Klasse besser wird als die alte. Wir wissen ja eh nicht, inwieweit der Präsenzunterricht durchgezogen werden kann.
Ganz schlimm ist die Situation weiterhin auf der Arbeit. Es war für mich eine harte Woche und ich habe permanent gegrübelt, wie ich da raus komme. Musste dann aber feststellen, dass das totale Chaos herrscht, die Stimmung extrem gereizt ist und es überhaupt kein vernünftiges Konzept steht. Nächste Woche wird interessant, weil wenn die Kollegin immer noch krank UND ich quasi zwei aufwendige Produktionen in meinem eigenen Labor auf der To-Do-Liste stehen habe, geschuldet darin, dass ich ja letzte Woche einen Tag abgezogen wurde und einen Tag doch in die Vertretung musste, sich die Herren entscheiden müssen, welcher Bereich liegen bleibt. Hätte man mich letzte Woche machen lassen, hätten wir wenigstens eine Produktion schon durchgezogen. Doch das war ja nicht erwünscht. Daran sieht man aber, wie planlos das Ganze mal wieder ist. Und damit sind wir wieder beim Foto. Ich hangel mich erstmal von Laterne zu Laterne und halte mich mit weiteren offiziellen Schritten bedeckt. Vielleicht ist ein Aussitzen der Situation die bessere Taktik. Ich weiß es noch nicht so genau!
Und dann haben wir einen Blick in den Herbst gewagt, das Töchterchen und ich. Die letzten Monate konnten wir uns halbwegs mit Hunderunden, viel Sport, langen Gesprächen, gutem Essen und später dann durch den Urlaub, einigen sozialen Kontakten irgendwie über Wasser halten. Doch wie schaffen wir das über den Herbst oder den Winter? Wenn die Tage dunkler werden, das Wetter schlechter, die sozialen Kontakte nicht mehr ins Freie gelegt werden können oder es vielleicht sogar wieder zu Kontaktbeschränkungen kommt? Es würde schon helfen, wenn die Schule durchgehend läuft und uns das Wetter entgegen kommt. Aber schön sind die Aussichten nicht wirklich. Und ja, auch wenn das immer wieder Jammern auf hohem Niveau ist, man darf nicht vergessen, das wir nur zu zweit sind. Eine Familie mit mehr Mitgliedern hat einfach eine andere Dynamik. Allerdings auch mehr Konfliktpotential. Ich weiß. Ein paar Ideen haben wir, doch die werden bei weitem nicht ausreichen, die Stimmung hochzuhalten. Wir können einfach nur hoffen, dass wenigstens das Töchterchen sich weiterhin mit Freunden treffen kann und wir alle gesund durch diese Zeit kommen.
Es ist wie es ist - Nebel mit Sichtweite unter 50 m!


















