Pünktlich zum Novemberbeginn darf ich raus aus dem Krankenhaus. Zurück in die leere Wohnung! Aber erstmal bin ich froh, zu Hause zu sein! Mir geht es gut, die Betreuung im Krankenhaus war mega und der Oberarzt scheint ja auch gute Arbeit gemacht zu haben.
Zeitgleich mit mir, ist auch Sophie nach Hause gekommen, das haben Töchterchen und mein Papa organisiert. Das ist ein schöner Gedanke und ein schönes tröstliches Gefühl.
Ich muss mir das erste Mal in meinem Leben selbst Thrombosespritzen geben, das kostet mich viel Überwindung, aber ich habe viel weniger Schmerzen und auch viel weniger blaue Flecken dabei. Ich bin wohl ein Naturtalent. :-) Am WE kommt auch das Töchterchen aus Hamburg, aber als sie sieht, wie es mir geht, war es das mit der Pflege und Umsorgung. Nur Einkauf und Wäsche nimmt sie mir ab. Wir gehen die ersten kleinen Spaziergänge, die mir unfassbar gut tun, während andere schreien, ich würde schon zu viel machen. Bullshit! Ich weiß, was ich tue.
Dem Freund der Freundin geht es nicht gut, er war zwischendrin in sehr kritischem Zustand.
Ich fühle mich lost, bin total orientierungslos, weiß wenig mit mir anzufangen. Ist wohl normal, wenn man mit Tempo 300 auf null runtergebremst wird. Körperlich geht es mir zunehmend besser, ich brauche nur noch wenig Schmerzmittel. Psychisch schwankt es sehr.
Dem jungen Mann geht es auch endlich besser, alle atmen auf. Aber jetzt hat er einen sehr langen und beschwerlichen Weg vor sich!
Ich rege mich leicht bis mittel über das Gesundheitssystem auf und organsisiere mir die notwendigen Termine für die Nachsorge. Das Töchterchen reist zurück nach Hamburg.
Ich werde insgesamt weitere 3 Wochen krankgeschrieben, die Fäden sind gezogen, auf den Befund warte ich weiterhin. Die letzte Thrombosespritze liegt hinter mir und mir geht es weiterhin sehr gut. Bis auf die Müdigkeit, die mich manchmal von jetzt auf gleich ereilt. Die Tage sind lang, sehr lang, ich weiß manchmal nicht, wie ich sie füllen soll.
Ich bekomme Besuch von der verschollenen Freundin, weite langsam meine Spaziergänge aus bei großartigem Wetter, gehe das erste Mal einkaufen, natürlich mit Hilfe, weil ich ja nix tragen darf. Und dann steht schon der Kontrolltermin an bei der Gyn. Dort erfahre ich, dass alles in Ordnung ist. Es gibt keine Anzeichen auf Malignität. Das wird gefeiert! Blöd ist nur, dass sie mir keine Physio aufschreibt. Sehr ärgerlich, aber war ja bei ihr zu erwarten.
Ich gehe das erste Mal alleine einkaufen, danach bin ich platt. Vom Töchterchen höre ich wenig, sie ist im Uni-Stress. Meine Tage fülle ich mich Spaziergängen, Fotoarchiv misten, stricken, Netflix und Co. und Treffen mit Freundinnen oder Familienmitgliedern. Mir geht es körperlich immer besser!
Und ich mache den ersten Shopping Bummel in Marburg. 3 h! Danach falle ich zwar sofort aufs Sofa, aber hey, ich kann meinen Umkreis endlich wieder erweitern. Und mich in die Weihnachtsvorbereitungen stürzen.
Sophie fehlt natürlich sehr, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht mehrfach an sie denke. Besonders bei den Spaziergängen überkommt mich die Trauer.
Meine Krankschreibung geht zu Ende und ich entscheide, einen Arbeitsversuch zu starten.
Es schneit das erste Mal in dieser Saison.
Die erste Arbeitswoche ist noch sehr hart. Ich habe Probleme mit dem Sitzen und Mittags tun mir dann Rücken und Bauch weh. Ich bin dann doch froh als die erste Woche rum ist.
Ich versuche einen Termin beim Chef zu bekommen, weil ich ja nun meine Arbeitszeit so schnell wie möglich verlängern will. Aber er hat wenig Zeit, ist oft nicht im Haus.
Die Wohnung ist weihnachtlich dekoriert, der Adventskalender für das Töchterchen fertig und wird nach Hamburg geschickt. Meine ursprünglich kurzfristig geplante Hamburgreise wird auch kurzfristig wieder gecancelt. Ich bin nicht fit genug, die Hotels zu teuer und für günstige Bahntickets bin ich zu spät. Marburg b(u)y Night muss ich diesmal ausfallen lassen.
Der November verabschiedet sich mit tollem Wetter, das ich ausgiebig im Botanischen Garten und meiner Kamera nutze. Und ich gönne mir eine neue Winterjacke. Der November war eindeutig einer der besseren Monate in diesem Jahr, auch wenn er ja noch holprig begann.
