...von einem Lebensabschnitt!
Vor etwa 10 Jahren kam das Töchterchen mit dem Wunsch zu uns, es möchte Fußball spielen. Wie es damals auf die Idee kam, weiß eigentlich keiner so richtig. Zwar hatten fast alle ihrer Freundinnen mal in das Fußballtraining der Soccergirls hinein geschnuppert, aber keine war zu dem Zeitpunkt noch dabei. Aber da wir ja beide vom Mannschaftssport kommen, haben wir diese Idee natürlich sehr begrüßt. Die einzige Bedingung war, dass sie dann mit Kinderturnen und Tanzen aufhören muss, weil es sonst einfach zu viel wird.
Und so startete das Töchterchen irgendwann im Sommer 2011 mit dem Fußballtraining!
Bis heute!
Anfang letzter Saison - im August 2019 - platzte hier die Bombe. Ja, irgendwie war es eine Bombe, denn damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Sie eröffnete mir, dass sie mit dem Fußball spielen aufhören möchte. Natürlich hatte ich schon länger das Gefühl, es ist irgendwas im Busch, aber ich schob es auf so ein Pubertätsding. Einen Durchhänger - wie wir ihn schon oft genug bei Geige erlebt haben. Und mir war auch schon länger klar, dass sie wohl spätestens beim Wechsel zu den Damen, den Fußball an den Nagel hängen wird. Ich war doch ziemlich geschockt und so diskutierten wir ewig lange darüber. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass diese Entscheidung und auch dieses Gespräch sehr auf ihrer Seele gelastet hat. Mal abgesehen davon, dass auch ihr der Abschied sehr schwer fallen wird und sie hatte auch Angst, mir damit etwas weg zu nehmen.
Damals als das Töchterchen mit Fußball begann, war das eher so ein Papa-Tochter-Ding. Natürlich war ich bei den Spielen dabei zum Anfeuern, aber im Großen und Ganzen übernahm den Part der Papa. Mit der Trennung sah das plötzlich anders aus und spätestens als der Papa nach Estland zog, wurde ich gezwungener Maßen Fußball-Mutti. Zu Beginn hat mich das auch alles sehr belastet. Es ist ein zeitintensives Hobby und man verbringt als Eltern doch einen großen Teil seiner Freizeit auf dem Fußballplatz. In der Hallensaison hatte ich dann das Problem mit dem Hund, denn der durfte ja nicht mit in die Halle. Ich jonglierte oft genug mit den Terminen und Chauffeurdiensten herum, denn Geige gab es ja auch noch. Irgendwann arrangierte ich mich damit und durch die beginnende Freundschaft mit den anderen Eltern, wurde es auch immer mehr zu einem schönen Teil meines Lebens. Ich hatte dort viele sozialen Kontakte, die ich neben meinen Pflichten als Alleinerziehende ansonsten kaum noch pflegen konnte, mangels Zeit. Mir blieb eigentlich gar nichts anderes übrig als das eine mit dem anderen verbinden. Und so wurde Fußball auch ein wichtiger Teil von mir. Aus der Not heraus geboren halt. In den letzten Jahren entwickelte sich auch die eine oder andere Freundschaft und ich hatte unglaublich gute Gespräche und tolle Momente. Und ja, irgendwie nimmt mir ihre Entscheidung etwas weg.
Doch mir war immer bewusst, dass das hier nur ein Lebensabschnitt ist. Die Mädels brauchten uns ja immer weniger, viele Eltern schauten gar nicht mehr zu und zu den Auswärtsspielen fuhren nur noch wenige mit. Der harte Kern blieb übrig! Und mit diesem traf ich mich auch durchaus mal abseits des Fußballs und ohne die Mädels.
Am Ende des Gesprächs sagte sie ganz klar, dass sie noch die aktuelle Saison zu Ende spielen wird und dann endgültig entscheidet, wie es weitergeht.
Ich kann ihre Gründe verstehen! Sie hat einfach in der letzten Saison gemerkt, dass ihr das reine Laufen mehr gibt. Dass sie darin auch Talent hat, wissen wir schon länger und durch die körperlichen Veränderungen in der Pubertät wurde es auch immer deutlicher. Während die anderen Mädels körperlich immer robuster wurden, konnte das Töchterchen in den Zweikämpfen oft nicht mehr gegenhalten. Besonders in der aktuellen Saison wurde das sehr deutlich, je nachdem gegen welche Mannschaften sie spielen. Eine Weile kann man das mit Schnelligkeit und Ausdauer kompensieren, aber je älter die Mädels werden, um so mehr verändert sich das Spielgeschehen und die Taktik. Es wird härter, körperlich!
Ich war und bin aber trotzdem nicht ganz glücklich mit ihrer Entscheidung! Doch ich akzeptierte es!
Danach hatte ich erstmal das Gefühl, es ist eine große Last von ihr genommen worden und so genossen wir beide eine erstaunlich gute Hinrunde!
Aber dann sollte ja alles anders kommen. Gerade als das Training draußen wieder los ging und die ersten Spiele starteten, kam Corona! Als bald klar war, dass die Saison abgebrochen wird, kam kurz die Überlegung, ob sie nicht doch ein Jahr dranhängen soll. Doch das hielt nur kurz an. Das Laufen gibt ihr einfach mehr. Und gelaufen ist sie in der Zeit des Lockdowns wirlich sehr viel. Als das Training dann unter Auflagen wieder begann, konnte sie sich nicht mehr dazu aufraffen. Sie hat es schlichtweg nicht vermisst!
Gestern hat sie dann ihre Entscheidung aufzuhören dem Trainer mitgeteilt und damit ist es nun amtlich!
Der Trainer rief mich gleich danach an und wir hatten ein langes Gespräch. Er sieht es im Prinzip genauso wie ich und auch er hatte schon länger eine Ahnung. Er respektiert und akzeptiert ihre Entscheidung, ist aber auch sehr traurig, dass er sie als konstante und zuverlässige Spielerin verliert. Er hat ihr gesagt, dass sie trotzdem auch nächste Saison immer willkommen ist, wenn sie mal mittrainieren will oder sie doch merkt, dass sie weitermachen möchte.
Es ist schade, dass ihr durch Corona noch einiges an Fußballerlebnissen weggenommen wurde, viele Events wurden ja abgesagt und es steht noch immer in den Sternen, wann sie ihren Ausflug in die Trampolinhalle oder das Pizza Essen sowie einen Rundenabschluss machen können. Aber so ist es nun mal!
Am 24.6. wird sie sich dann beim letzten Training vor den Ferien von allen verabschieden und ich werde wohl noch ein Mannschaftsfoto machen. Die Mädels hatten ja eine Corona-Trainingsaktion und insgesamt über 5000 km in der Zeit des Lockouts erlaufen, erradelt oder erwandert. Dafür gibt es ein gesponsertes T-Shirt mit Mannschaftsfoto.
Und dann ist dieser Lebensabschnitt vorbei!
Und ich? Naja, ich werde sicherlich noch das eine oder andere Heimspiel in der nächsten Saison - je nachdem wie das mit Corona weitergeht - anschauen, versuchen die eine oder andere Freundschaft ab vom Fußball weiter zu vertiefen bzw. aufrecht zu erhalten und die durch den Wegfall der Chauffeurdienste dazu gewonnene Zeit neu zu füllen. Wobei das ja momentan noch etwas schwierig ist. Ich bin traurig und werde sicherlich alles sehr vermissen. Aber das ging mir ja mit dem Abschied vom Orchester ähnlich. Das gehört wohl zum Mama sein dazu. Irgendwie ist es ein permanenter Abschied von Lebensabschnitten und das Begrüßen von neuen.
Was das Laufen betrifft? Ich hoffe, wir finden da einen Kompromiss. Ich fände es einfach besser, wenn sie da einen Verein finden würde, wo sie den Sport mit Gleichgesinnten ausüben könnte und einen Ansprechpartner hätte. Laufen alleine im Wald oder durchs Feld - das finde ich eher suboptimal. Und es geht ja auch um soziale Interaktion. Sie bemängelt ja schon die ganze Zeit, sie müsse mehr Freundschaften und Bekanntschaften schließen. Ein Lauftreff oder ein Verein würde ihr da sicherlich neue Möglichkeiten geben. Aber da muss sie ja eh erstmal abwarten, wie es mit Corona weitergeht. Was mit der Schule nach den Ferien ist und ob sie irgendwann weiter machen kann mit ihrem Job beim Kinderturnen? Jetzt stehen erstmal die Ferien vor der Tür! Alles andere sehen wir dann, wenn es so weit ist.