Nun liegt auch der Doomsday hinter mir und wie ihr seht, ich habe ihn überlebt. Letzten Montag bin ich morgens um 7 Uhr im Krankenhaus eingerückt, geben 9.30 Uhr ging es in den OP. Ich will gar nicht in die Details gehen, die OP ist soweit gut verlaufen, ich bekam keinen Bauchschnitt und der Heilungsprozess ist bis Stand heute bis auf einen Minizwischenfall, der schnell mit zwei Stichen gelöst werden konnte, gut verlaufen. Ich sags wie es ist, das waren harte Tage, der Kaiserschnitt war pillepalle dagegen, aber vielleicht verdrängt man die Tage nach so einem Eingriff auch einfach nur schnell, wenn einige Zeit vergangen ist. Eigentlich ging es erst ab Mittwoch, nachdem die Drainage gezogen wurde und alle Kanülen aus dem Körper raus waren, so richtig aufwärts. Donnerstag wurde die Abschlussuntersuchung gemacht, auch da war alles in Ordnung - meine Blutwerte gut, die Vitalwerte okay, Verdauung musste allerdings etwas angeschubst werden, mittlerweile klappt alles wieder prima und deswegen durfte ich gestern endlich nach Hause. Ich war so aufgeregt, wie ein kleines Kind vor Weihnachten. Was für ein Gefühl! Mir kam es vor als wäre ich wochenlang weggewesen.
Mittlerweile nehme ich Schmerzmittel nur noch nach Bedarf, meist so 1 bis 2 Ibu in 24 h. Da ich sie besser vertrage als gedacht in der Stärke, mache ich auch keine Experimente bei der Einnahme, wenn das typische Ziehen im unteren Bauch losgeht, wird eine eingeworfen. Da es ja auch entzündungshemmend ist, kann es nicht schaden. Ansonsten bin ich überraschend schmerzfrei beim Gehen, sehr tückisch, weil man dann auch schnell mal die Schonung vergessen kann.
Ich habe 2 kg im Krankenhaus gelassen, was sicherlich darin geschuldet ist, dass ich kaum was runter bekommen habe. Es war bis zum letzten Tag immer eine Gradwanderung für mich, nur soviel zu essen, wie ich auch runterbekommen habe, aber genug, um eine Grundlage für die Medikamente zu haben. Aber ich war kaum zu Hause kam ein Teil des Appetits wieder. Die ersten Nudeln mit Pesto und ein Stück Quiches meiner Vermieterin habe ich wirklich mit Genuß gegessen. Ich denke also, dass ich die 2 kg in den kommenden Wochen ohne Sport und mit weniger Bewegung schneller drauf habe als gewünscht. ;-)
Das Krankenhaus, das Personal incl. der Ärzte waren super. Ich hoffe ja, dass ich so schnell kein Krankenhaus mehr von innen sehe - ausser zum Arbeiten, aber ich würde jederzeit wieder diese Station wählen. Die anderen kann ich ja nicht beurteilen. Die fachliche Qualität ist für den Laien natürlich auch nicht einzuschätzen, da muss ich einfach vertrauen, dass die das gut hinbekommen haben. Auf alle Fälle, habe ich mich dort immer verstanden und gut aufgehoben gefühlt. Und ich sags euch, ich war ziemlich memmig. *lach* Die Memme von 413. Glück hatte ich auch mit meiner Zimmergenossin. Wir hatten bis auf einen kleinen Unterschied die gleiche OP am gleichen Tag und wir verstanden uns super. Hatten die gleichen Schlafphasen, das gleiche Temperaturempfinden, ein ähnliches Ruhe- bzw. Quatschbedürfnis und es war beruhigend zu sehen, wenn die Bettnachbarin die gleichen Probleme im Bauch oder im Hals (vom Beatmungsschlauch) hatte. Sie war etwas schneller fit als ich, was in dem kleinen, aber wirkungsvollen Unterschied bei der OP geschuldet war und so durfte sie einen Tag früher nach Hause. Es macht auch einen großen Unterschied, wenn man einen Eingriff wegen einer langen schmerzhaften Vorgeschichte hinter sich bringt, oder ohne Beschwerden fit ins Krankenhaus einrückt. Psychisch liegen da Welten dazwischen. Man spürte förmlich, wie froh sie war, das Teil samt Beschwerden loszuwerden. Das darf man also nicht unterschätzen! Ihren Vorsprung beim Aufstehen und Laufen, habe ich ziemlich schnell aufgeholt, was sicherlich darin geschuldet war, dass ich einfach sportlicher war und sie schon lange auch eine chronische Krankheit hat. Ich war sehr traurig, als sie weg war, aber ich bekam innerhalb von einer halben Stunde jemand Neues ins Zimmer. Zum Glück auch eine nette, junge Frau. Puuh! Allerdings war sie am Donnerstag halt im OP und danach einfach müde, so dass sich besonders der Donnerstag unfassbar zog.
Die erste Freude zu Hause zu sein, ist zwar noch präsent, aber ich bin ziemlich lost. Durch die wenige Bewegung und die Zeitumstellung schon um 5 Uhr war und frage mich gerade, was ich den ganzen Tag machen soll? Ich hab schon viereckige Augen und die ersten Spaziergänge werden sicherlich nicht so lange, dass sie tagesfüllend sind. Die Wohnung ist sooo leer, so leise und nachts arg dunkel!
Krankgeschrieben bin ich erstmal bis Freitag, danach muss der Hausarzt verlängern. Ich habe mir auch wenn es weiterhin so gut verlaufen sollte, vorgenommen mir den November Zeit zu lassen. Das wären genau die 4 Wochen. Aber so genau kann man das jetzt noch gar nicht abschätzen. Es ist ja viel mehr als diese 3 Minischnitte am Bauch.
Fadenzug muss ich nach 7-10 Tage machen lassen, eine erneute Nachuntersuchung beim Gyn soll nach 10-14 Tagen erfolgen. Da bin ich mal gespannt, ob ich so schnell einen Termin bekomme. Spaziergänge, leichtes Dehnen sind erlaubt, aber ich soll langsam machen. Nichts über 5 kg heben, nicht baden, nicht ins Schwimmbad und Sport auch erst nach Ablauf der 3-4 Wochen (ab jetzt). Physio kann ich auch nach 3-4 Wochen beginnen, empfehlen sie, mal schauen, ob meine Gyn da großzügig ist.
Was richtig blöd ist und ich erst am Donnerstag erfahren habe, ich muss mir weiter Thrombosespritzen geben. *kreisch* Ich, die Memme von 413, die nicht mal hinschaut, wenn Blut abgenommen oder Spritzen gegeben werden. Super Idee! Schon Donnerstag hinzuschauen, wie die Krankenschwester das gemacht hat - große Überwindung. Naja, ich machs kurz, ich hab gestern ne Weile gebraucht bis ich mich überwunden haben, aber hey, ich hätte Ärztin werden sollen, selten so eine schmerzfreie Thrombosespritze bekommen. *lach* Aber ich weiß, das steht und fällt mit der Stelle, die man erwischt. Kann auch einfach Glück gewesen sein. 6x muss ich noch und die große Herausforderung wird sein, Stellen zu finden. Im Bein habe ich schon einige blauen Flecken davon, von denen man ja Abstand halten soll und mir fehlt da auch ziemlich das Fettgewebe. Im Bauch sind ja die drei Schnitte und ziemlich große Blutergüsse von der OP, da passt nach 2 Spritzen halt nicht mehr viel hin. Am Arm wird es alleine schwierig - naja, hilft nix - muss halt irgendwie. Ich will da kein Risiko eingehen, auch wenn ich mich schon ganz gut bewege und auch Beinübungen für die Venenpumpe mache.
So, jetzt ist es gerade mal 6.35 Uhr, es ist immer noch stockdunkel und der Kaffee ist getrunken. Ich bin sehr froh darüber, dass das Töchterchen heute eintrudelt.
Was mir echt zu schaffen macht ist, dass ich durch die OP so beschäftigt war und durch die Abwesenheit von zu Hause, die Trauer um Sophie komplett in den Hintergrund getreten ist. Natürlich denke ich immer noch sehr viel an sie, aber ich wurde ja regelrecht exakt 7 Tage danach komplett rausgerissen. Ich habe so Angst, dass ich sie viel zu schnell vergesse, ihre Präsenz hier nicht mehr spüre und sie sich aus meinen Gedanken schleicht. DAS hat sie nicht verdient. Hört sich vielleicht komisch an, aber ich fühle mich um die Trauer gebracht. :-(
Gestern kam sie übrigens fast zeitgleich mit mir nach Hause. Mein Papa und das Töchterchen haben das so miteinander organisiert. Sie steht im Tochterzimmer und ich schaue immer wieder ehrfurchtsvoll auf die Holzkiste, die gar nicht so klein ist, wie ich erwartet habe. 12,2 kg wog meine geliebte Sophie vor ihrem Tod, so steht das auf dem Zettel, der dabei liegt. Wie wir das dann am WE machen, muss ich noch mit dem Töchterchen besprechen. Ich gehe davon aus, dass wir Sophie heute oder morgen in den Garten an ihre Lieblingsplätze bringen, weil das Töchterchen dann erstmal für eine Weile nicht kommen kann.
Ich hatte ja in meinem letzten Post noch über den Unfall berichtet und auch das hat uns sehr beschäftigt am letzten Wochenende und auch noch über die ganze Woche. Denn was erst noch so glücklich aussah, entpuppte sich als lebensbedrohlich. Mittlerweile hat der junge Mann große Hirn-OPs hinter sich und zwischendrin war es wirklich kritisch wegen einer zuerst nicht entdeckten, großen Hinblutung, aufgrund dessen er einen Schlaganfall hatte. Es ist einfach so schrecklich! Und immer wenn ich im Krankenhaus da lag und mir die Kraft ausging, dachte ich daran, was er durchmachen muss! Oder die Familie! Oder die Freundin meiner Tochter. In Sekunden ist das Leben junger Menschen für immer dramatisch verändert. Am schlimmsten sicherlich die Ungewissheit, was für Folgeschäden er haben wird, ob er sich jemals wieder vollständig erholt. Es verändert alles und ja auch meine Tochter ist indirekt betroffen, dadurch, dass ihre Freundin das jetzt durchmachen muss. Ich kann immer nur hoffen, dass er es schafft und irgendwann vollständig hergestellt wird. Aber machen wir uns nix vor, es wird ein sehr, sehr, langer und steiniger Weg. Wie geht man mit 20 Jahren damit um? Ach, ich darf gar nicht weiter dran denken. :-(
Hat es überhaupt jemand geschafft bis hier unten zu lesen? Der darf sich noch ein paar Fotos anschauen. Ich überlege in der Zwischenzeit, ob ich noch einen Kaffee trinke. ;-)