...mit einem Hund, der Demenz im fortgeschrittenen Stadium hat. Da es seit ein paar Tagen wieder gerade Abends sehr schwierig ist und mich das wirklich ans Limit bringt und ich mich leider nicht immer im Griff habe geduldig zu sein, hier mal ein kleiner Auszug, was das bedeutet an solchen Tagen:
6 Uhr: Ich bin wach, Sophie pennt noch tief. Ich mache ihr das Fressen fertig und warte brav in der Küche bei einem Kaffee bis sie aufsteht. 6.30 Uhr ist es soweit, sie geht direkt in den Garten, wo sie sich minutenlang im Kreis dreht bis sie einen geeigneten Pipi-Platz gefunden hat. Danach frisst sie direkt, heute mal ausnahmsweise eine größere Portion, der Rest bleibt drin. Anschliessend legt sie sich in mein Schlafzimmer auf ihre Decke und fiept. Liegt unentspannt da.
7.30 Uhr: Ich gehe mit ihr spazieren, aber so richtig hat sie keine Lust. Immerhin schaffen wir es einmal um den Block und sie macht ein Minihäufchen. Danach frisst sie zwei Körner aus dem Napf, legt sich auf ihre Decke und fiept. Zwischendrin steht sie auf, läuft rum, legt sich wieder, schläft ein. Aber es bleibt ein unruhiger Vormittag - manchmal ist das jetzt so. Ich fahre einkaufen!
11.30 Uhr: Ich komme nach Hause, sie schläft und hört mich nicht mal, obwohl ich beim Einräumen nicht leise bin. Nach 12 Uhr wird sie wach und will raus. Wir gehen spazieren, aber ihr ist es schon zu heiß, also wird es eine kleinere Runde nur zu ihrem Pinkelplatz, allerdings macht sie diesmal ausnahmsweise mal vorher. Danach bekommt sie Fressen, von dem sie heute fast gar nix fressen wird. Sie legt sich hin, fiept kurz und pennt ein. Kein Wunder, sie hat Schlaf nachzuholen.
17.15 Uhr. Sie schläft immer noch, ich werde nervös, weil je später wir jetzt gehen, um so schwieriger wird das mit dem letzten Pipigang. Aber sie schläft wirklich tief, da will ich sie nicht wecken.
17.30 Uhr: Jetzt ist sie wach und will sofort raus. Wir gehen und sie hat mit der Schwüle schwer zu kämpfen. Gegen 17.45 Uhr macht sie ein Pipi und ich weiß, was das für mich bedeutet! Zu Hause bekommt sie Fressen, von dem sie 2/3 frisst. Den Rest wird sie später fressen bis auf ein paar Trockenfutterbrocken. Danach legt sie sich hin und schläft weiter. Eine halbe Stunde später ist sie wieder wach, weil das Töchterchen gekommen ist. Aber sie legt sich schnell wieder hin und schläft weiter.
19.15 Uhr: Sie ist wach und unruhig. Steht minutenlang vor der Haustür, dreht Kreise. Ich versuche es zu ignorieren, weil es definitiv noch zu früh ist. Sie wird nix machen. Sie fiept! Gegen 19.45 Uhr halte ich es nicht mehr aus. Sie zerrt mich die Einfahrt runter, ich passe mich an und wir gehen eine größere Runde. Nach der Hälfte hat sie keine Lust oder Kraft mehr, keine Ahnung. Sie bleibt stehen und ich muss sie antreiben bis wir zu Hause sind. Pipi hat sie natürlich keins gemacht.
20.45 Uhr: Sie ist erneut wach, also versuche ich es nochmal mit dem Pipi machen lassen. Wir laufen fast eine Stunde rum. Ich führe sie mehrfach zu der näheren Pipistelle, danach zerre ich sie zu der weiter entfernten. Zum Glück weiß ich, dass sie das noch konditionell schafft. Aber sie wird auch diesmal nix machen und so langsam bin ich genervt. Zu Hause frisst sie die Reste vom Futter und ich bringe sie auf ihren Schlafplatz auf dem Sofa. Alleine schafft sie das nicht mehr Abends. Sie legt sich nicht ab und fiept. Ich habe keine Ahnung, ob sie vielleicht doch muss! Irgendwann liegt sie entspannt da und pennt.
23 Uhr: Sie fiept und steht auf dem Sofa. Ich bringe sie in den Garten, aber sie glotzt mich nur an. Wie ich schon befürchtet habe, dass dieser Rat einer Freundin nix bringen wird. Es ist dunkel und ich musste sie mit der Leine sichern, damit sie nicht abhaut, das versteht sie alles nicht mehr. Ich führe sie mehrfach im Kreis, aber sie weiß nicht, was sie da soll. Also gehen wir rein, ich ziehe mich komplett an und wir laufen erneut zur Pipisstelle. Durch die Dunkelheit ist sie unsicher, sie schnuppert zwar, aber sie macht nix. Ich könnte schreien. Zu Hause angekommen bringe ich sie aufs Sofa und gebe es endgültig auf. Als ich eine halbe Stunde später nach ihr schaue, liegt sie endlich entspannt. Ich gehe ins Bett, schlafe total schlecht, wache mehrfach auf, weil ich sie im Traum rumlaufen höre. Einmal gehe ich schauen, aber sie liegt und schläft.
4.20 Uhr: Ich schaue auf die Uhr und denke, zum Glück ist es jetzt schon hell, wenn sie jetzt muss.
5.50 Uhr: Ich bin erneut wach und verwundert, dass sie es schon wieder so ewig ohne pinkeln geschafft hat. Leider kann ich nun nicht mehr einschlafen.
6.30 Uhr: Ich stehe auf, mache Futter, Sophie pennt noch, wird aber relativ schnell wach. Ich lasse sie in den Garten, wo sie immer noch Zeit hat mehrere Runden zu laufen und sich im Kreis zu drehen, bevor sie pullert. *uffz*
Es ist nicht jeden Tag so extrem, aber diese Pipisache ist zur Zeit wieder schlimm. Es stresst mich halt so. Man könnte jetzt sagen, ich stelle mich an, dann macht sie halt mal nachts ins Haus, aber Sophie ist halt noch nicht inkontinent, sie wird nicht ins Haus machen. Das kann natürlich noch irgendwann kommen, aber momentan ist es nicht so weit, sie hat das sehr gut unter Kontrolle. Und nein, es wäre auch nicht schlimm, sie mal eine Nacht rauszulassen in den Garten. Geht aber nicht ohne Leine, ich hab das versucht, um das zu entstressen, aber sobald es dunkel ist, weiß sie nicht mehr, was sie im Garten machen soll. Also läuft sie direkt Richtung Einfahrt und das ist nun mal saugefährlich, weil sie extrem schnell ist, aber keine Orientierung hat. Ich muss sie also sichern und das wiederum bedeutet für den dementen Hund, wir gehen spazieren. Also zur Zeit keine Lösung.
Ich überlege gerade, wie ich es neu justieren kann. Das Problem ist, dass sie halt Abends so unruhig ist, sicherlich geschuldet darin, dass es ihr tagsüber zu warm ist, um längere Strecken zu laufen. Heute werde ich mal nicht bis zu Pipistelle laufen bei der 17 Uhr Runde, dann kann ich mir sicher sein, sie macht später. Eine Zeitlang war das mal die Lösung für ein paar Tage. Ich glaube auch, sie trinkt zu wenig. Und durch die höhere Menge an Nassfutter, habe ich das Futter nicht mehr so verwässert, aber das werde ich jetzt wohl wieder machen müssen, auch auf die Gefahr hin, dass sie dann noch weniger eigentliches Futter aufnimmt, weil das Wasser den Bauch schneller satt macht. Sie ist eh schon sehr dünn, aber was soll ich tun? Am Schlimmsten ist aber, dass ich gerade Abends manchmal einfach keine Geduld mehr habe und leider auch mal ruppig bin beim Hinterherziehen oder Antreiben. Aber 3 von 4 Abenden hat sie eben dann doch irgendwann ein riesengroßes Pipi gemacht. Es bleibt also schwer einzuschätzen. Die Situation ist belastend! Aber für Entscheidungen ist es immer noch zu früh! Sie mag zwar den größten Teil des Tages teilnahmslos sein, einen leidenden Eindruck macht sie aber nicht. Sie lebt in ihrer eigenen kleinen Welt und das Drumherum verunsichert sie manchmal. Ich müsste geduldiger sein, bin ich im Prinzip auch schon geworden, nur diese Pipi-Sache stresst mich extrem! Aber ich weiß mittlerweile von anderen Hundebesitzern, deren Hund verwirrt war wegen eines Tumors im Kopf, dass sie ihn nachts irgendwann im Keller hatten, weil nichts anderes mehr ging. Hört sich vielleicht grausam an, aber niemand, der noch keinen dementen Hund hatte, sollte darüber urteilen! Man muss für sich und den Hund Lösungen finden, die für alle Parteien am wenigsten Stress bedeuten. Sonst steht man das wirklich nicht durch und das kann Monate bzw. Jahre dauern.
Jetzt werde ich mir meine demente Dame aber gleich mal schnappen und schauen, ob sie ein großes Geschäft muss, es sei denn, sie schläft jetzt, dann lass ich sie auch schlafen. Sie wird müde sein von dem Gelaufe gestern Abend bis in die Nacht rein. Die arme Wurst!
Ich wollte heute eigentlich joggen, aber ich bin zu k.o. von der Nacht. Das wird wohl erstmal nix.
Aber heute ist ein neuer Tag im Leben eines dementen Hundes und das bedeutet immer wieder andere Überraschungen! Schauen wir mal, wie es heute wird.