...ist nun wieder zu Hause. Noch am Donnerstag startete es einen Entschuldigungsversuch, hinter dem ein "Aber" kam. Und wie erfuhren wir gestern sehr passend dazu von Jon Schnee in Game of Thrones Staffel 7: "Alles was vor einem Aber kommt, ist Scheiße!" *lach* Das wird nun unser neues Motto. :-) Naja, ich erklärte ihr, warum mich ihr Verhalten so ärgerte und auch durchaus verletzte, doch sie fing an zu diskutieren und der Ton wurde schnell wieder zickiger. Also gingen wir nochmal in die Verlängerung. Am nächsten Morgen bin ich einen Schritt auf sie zu und da bekam sie endlich die Kurve. Und wir holten alles nach, was wir ja 2 Tage lang versäumt haben.
Gestern Abend machte ihre Freundin etwas ähnliches mit ihr und sie war sehr verletzt. Auf die Frage:"Warum man sich so verhält, obwohl man doch weiß, dass der andere dann enttäuscht ist?", warf ich ihr den Ball sofort zurück:"Ja, sag du es mir. Warum hast du es denn so gemacht?" Da musste sie laut lachen und es entspann sich ein langes Gespräch daraus.
Ihre Situation ist nicht so leicht, ihr fehlen Freundschaften in der Schule und privat. Sie möchte viel mehr erleben, aber da ist niemand mit dem sie das machen kann. Sie hat die eine beste und sehr treue Freundin und noch eine weitere Freundin, die aber niemals Zeit hat, weil sie ungefähr 10 Hobbys pflegt. Manchmal liegt das an einem selbst, aber oft genug auch an den Umständen. Freundschaften kann man weder erzwingen noch erkaufen. Und auch klappt nicht immer ein Erarbeiten. Ich kann es absolut nachvollziehen, mir ging es lange Zeit auch so. Eigentlich habe ich heute erst die Freundschaften, wie ich sie mir früher gewünscht habe.
Wir haben gemeinsam überlegt, was sie dafür tun kann, aber bis auf ganz wenige Punkte fiel uns wenig ein. Manchmal hilft tatsächlich nur abzuwarten und offen zu bleiben, und irgendwann ist die Durststrecke dann auch wieder vorbei. Wichtig ist, sich alternative Beschäftigung zu suchen, die man alleine ohne Freundinnen machen kann. Aber das hat sie ja mit Fußball und Geige! Orchester wäre noch eine weitere Möglichkeit, doch ich sehe selbst ein, dass das mit ersten Beiden und der Schule kollidieren würde. Es wäre schlichtweg zu viel!
Ich vergleiche Freundschaften und Bekanntschaften immer mit Wegbegleitern. Du gehst deinen Weg entlang und triffst diese Wegbegleiter. Viele nur an einer Kreuzung, wo man kurz verweilt und jeder doch wieder seine eigenen Wege geht. Manche begleiten dich ein Stück, andere bleiben sehr lange an deiner Seite. Es gibt welche, die biegen irgendwann in einen anderen Weg und stoßen plötzlich an einer späteren Kreuzung wieder zu dir. Manche lässt du hinter dir, weil sie dir nicht gut tun und anderen schaust du noch lange traurig hinterher. Es gibt welche, die zwar die gleiche Richtung haben, aber parallel auf einem anderen Weg laufen. Man hat Blickkontakt, aber da ist diese Distanz dazwischen.
Ich habe das alles erst so richtig nach der Trennung erkannt und mittlerweile fällt es mir leicht, loszulassen, alleine weiterzugehen und nicht zurückzuschauen. Aber ich bin auch über 30 Jahre älter und erfahrener in diesen Dingen als ein 15jähriger Teenager, der sich zusätzlich erst einmal sich selbst finden muss und den eigenen Weg erkennen.
Sie hat für sich selbst festgestellt, dass es momentan so schwierig ist, weil sie "dazwischen" hängt. Es gibt zwei Gruppen in ihrem Alter. Die einen machen Party, trinken Alkohol, testen massiv Grenzen aus und es geht sehr viel um Jungs, die anderen leben für die Schule, haben Angst in der Schule zu versagen und lernen in ihrer Freizeit sehr viel, um dem Druck stand zuhalten. Und sie kann sich weder mit dem einen noch dem anderen vollständig identifizieren. Ein Dilemma!
Und natürlich wiegt alles sehr viel schwerer, wenn man von einem wunderschönen Urlaub nach Hause zurückkommt und die Ferien bald zu Ende sind.
Aber ich bin mir sicher, sie wird ihren Weg finden und gehen und noch ganz viele Wegbegleiter treffen. :-)