Ich gerade noch unschlüssig, ob ich hier erstmal eine Pause mache oder ob ich alles dokumentiere, für mich später, zum Nachlesen. Und wenn ich schreibe, wie genau will ich ins Detail.
Wie ihr am Bild erkennen könnt, f.... mich mein Leben gerade echt. Was vielleicht noch im letzten Jahr für viele als "Jammern auf hohem Niveau" war, hat ja schon durch die Hundedemenz durchaus eine Begründung bekommen. Wie sagte das Töchterchen vorgestern zu mir in einem langen Gespräch "Wenn ich gewusst hätte, wie schlimm das mit Sophie ist, ich hätte mich nie so aus der Verantwortung ziehen dürfen - ich habe mich einfach verpisst. Ich hätte sie dir ab und an mal abnehmen müssen." Es geht mir gar nicht darum, was sie hätte tun müssen - ich mache ihr da gar keinen Vorwurf. Sie ist jung und lebt einfach ihr Leben. Ich bin die Mutter und habe damals die Entscheidung getroffen, diesen Hund zu behalten, trotz Trennung. Ja, in allererster Linie für das Kind, aber trotzdem ist es meine Entscheidung gewesen. Ich war erwachsen, hatte genügend Lebenserfahrung und muss halt nun mit den Konsequenzen leben. Trotzdem darf man es belastend finden, zumal das vorherige Jahr und auch die Jahre als Alleinerziehende, nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind. Ich bin psychisch schon lange über Limit, kann die Situation aber irgendwie nicht besser machen.
Aber hier und heute, frage ich mich, ob es falsch war, wie ich das die letzten Jahre gemacht habe. Hätte ich mehr mein Leben leben sollen, egoistischer sein, habe ich zu viel aufgeschoben. Doch ich komme auf keine Lösung, wie ich es hätte anders machen können. Ich wusste nicht, dass Sophie Demenz bekommt, ein alter Hund muss keine solche Belastung sein, bei vielen Hunden geht es dann ja auch oft schnell, auch wenn sie Demenz haben, macht der Körper ja oft vorher schlapp. Auch auf eine Pandemie, Inflation habe ich keinen Einfluss. Die Schulterschmerzen konnte ich nicht verhindern, da hätte ich vielleicht einfach früher zum Arzt gehen sollen - aber ob es das verkürzt hätte, weiß man ja dann auch nicht.
Was mich am Meisten schockiert ist, dass die Einschläge bei mir hier immer schlimmer werden und schon seit Jahren genau dann kommen, wenn ich gerade wieder Hoffnung schöpfe, anfange mich aus dem Loch zu befreien, es angehen will. Das zieht sich wirklich wie ein roter Faden durch. Und ich frage mich, was mir mein Leben damit sagen will! Man konnte fast die Uhr danach stellen. Ganz beeindruckend war das in 2020. Oder auch letztes Jahr im Mai. Diesmal erwischt es mich allerdings noch mitten drin im Deasaster. Reicht überhaupt noch die Kraft dafür.
Stark sein - auch so ein Begriff, den ich mittlerweile hasse. Er macht mich echt leicht aggressiv, dieses "du schaffst das, du hast so viel geschafft, du bist stark"! Ich glaube nicht, dass das was mit "stark sein" im Sinne von "du bist deswegen ein besonders cooler Mensch" zu tun hat. Es gibt einfach nur keinen Notstop, den man drückt und man dann einfach aussteigt, weil man lieber was anderes machen will. Nee, so lange kein Bahnhof kommt, wo man umsteigen kann, muss man halt sitzen bleiben. Als stark würde ich jemanden bezeichnen, der daraus noch Positives ziehen kann, seine gute Laune nicht verliert auch wenn er mal down ist und der sich nicht dauerhaft in Selbstmitleid verstrickt. So jemand bin ich aber nicht, also lasst mich mit dem "du bist stark" in Ruhe. Ich wäre die Erste, die sich verpissen würde, wenn ich es könnte.
Was ich aber wirklich jetzt gruselig finde, ist der Zeitpunkt. Ich habe mir 12 Jahre immer wieder gesagt, bitte halte durch bis du das Kind groß hast und es auf eigenen Füßen stehen kann - körperlich gemeint. So lange du gesund bist und keine körperlichen Probleme hast - ausser halt die kleinen Wehwehchen - bekommsst du das auch alles irgendwie hin. Und das war auch die letzten beiden Jahre immer in meinem Kopf als ich hier wegen Schulter und dann Hund so festgetackert war, mir läuft das Leben davon und niemand kann mir versprechen, dass ich eben nicht irgendwann wie viele Menschen in meinem Alter, plötzlich gesundheitlich richtig doofe Sachen kommen. Tja, da sind wir dann wohl jetzt angekommen. Das macht es gerade noch bitterer in meinem Kopf. Denn vor zwei Wochen hatte ich mich gerade wieder bezüglich Sophie im Griff und dachte, okay, das schaffste noch irgendwie und dann startest du endlich durch. Ich soll doch positiver denken, sagen immer alle. Ergebnis: Es kommt alles noch schlimmer!
Ihr ahnt es schon sicherlich, der Termin in der Kinik ist doof gelaufen. Im Prinzip haben sie es noch dringlicher gemacht, am Besten innerhalb von 4 Wochen und es geschafft mir so eine riesen Angst zu machen, es könnte auch was richtig Fieses sein, dass ich nicht mal mehr an eine Zweitmeinung denke. Gute Arbeit geleistet! Ich traue Ärzten und dem Gesundheitssystem mit Fallpauschalen, zu wenig Zeit Patienten als Individuen zu sehen, mit den ganzen Leitlinien, die nix ganzheitlich sehen, einfach nicht und ich habe zu viel medizinisches Wissen. Das macht es so schwierig. Ich habe ja die Reaktion gesehen, als ich meine Fragen gestellt habe. Wenn du als Patient mit Studienlage angekommst...findet das nicht jeder Arzt gut. Klar, ich könnte jetzt bis zum Termin, der am Montag überlegt wird, noch eine Zweitmeinung einholen. Aber bringt mich das weiter? Fakt ist, das Ding wächst und keiner weiß, wie lange und wie schnell das noch passiert. Irgendwann wird es auch im harmlosen Fall Beschwerden machen. Vielleicht würde ich noch Aufschub oder eine etwas schonendere Entfernungsmethode angeboten bekommen, aber das Ergebnis bleibt im Prinzip das Gleiche. Nur das blöde Dinge zu entfernen, ist aufgrund der Lage nicht möglich. Das sehe ich auch ein! Und ja, mir ist es auch lieber, dass man das Ding nicht in mir schreddert und dann minimal-invasis rausholt. Dann lieber in einem Stück. Und dafür braucht man halt in meinem Fall einen Bauchschnitt - Yeah! Wenn ich länger warte, wird der noch fetter - also auch keine Option. Es geht mir jetzt darum, wie ich mit der Angst umgehen soll, die er schon in meinen Kopf reinimplantiert hat auf eine ziemlich unsensible Art und Weise. Ganz toll fand ich dann seinen eindringlichen Kommentar "1. Sie sind NICHT krank" (2 und 3 habe ich vergessen). Was für ein Schwachsinn, also, wenn mich jemand aufschneiden will, um mir Organge zu entfernen, dann find ich schon, dass das einen deutlichen Krankheitswert hat. Wir reden ja nicht nur vom Entfernen selbst, sondern auch von den Folgen für den Körper nach dem Eingriff. Spätestens dann bin ich krank und werde mich auch so fühlen über einen längere Zeit. Wie gesagt, ich hatte schon einen großen Bauchschnitt, ich weiß, was mich erwartet! Damals war nur der erste Tag übel, danach ging es super schnell aufwärts. Aber man kann das eben nicht vergleichen, weil ja anschliessend kein Organ fehlt und die psychische Ausgangslage hier eine andere ist.
Lange Rede - kurzer Sinn - ich habe keine Ahnung, wie ich die nächsten Wochen vor allem psychisch überleben soll. Vor allem diese Sch... Angst, dass es auch eine kleine Chance gibt, dass es was richtig Übles ist. Unwahrscheinlich zwar - aber wie gesagt, der Arzt hat gute Arbeit geleistet in Sachen Angst.
Dazu kommt ja noch - was ist mit Sophie? Wie soll das gehen? Ja, es haben alle Hilfe angeboten, aber ich weiß, dass die nicht mal den Ansatz einer Ahnung haben, wie 24 h mit Sophie aussehen. Und Sophie wird ohne meine Anwesenheit noch verwirrter sein als sie jetzt ist. Zur Zeit hat sie einen echt üblen Schub. Meine Tochter hat mir auch gesagt, dass sie das denen, die in Frage dafür komme, auch nochmal ganz deutlich macht. Sie hat ja jetzt den Einblick!
Montag habe ich den nächsten Termin in der Klinik - toller Urlaub, oder? - Tochter wird mich begleiten, weil sie noch hier ist und danach eben nicht mehr wirklich helfen kann von Hamburg aus. Ich brauche jemanden, der das rational sehen kann, was da gesagt wird. Denn ich bin wahrscheinlich wieder so durch den Wind, dass ich die Hälfte vergesse. Viele Fragen habe ich eh nicht mehr. Das Meiste weiß ich ja schon. 3-4 Tage im Krankenhaus, ca. 4 Wochen krankgeschrieben danach. WENN alles gut verläuft. Alles andere ist ja eh individuell und kommt auf den Heilungsverlauf drauf an. Wann ich dies oder das wieder machen kann.
Mich ärgert es auch, dass das jetzt kommt, wo ich auf der Arbeit endlich wieder was zu tun habe und das eigentlich auch gerne weiter begleiten möchte. Blöd und dumm, dass Chef meinen Antrag für Homeoffice Möglichkeit nicht genehmigt hat, weil er der Meinung war, wir brauchen das nicht. Das wäre aber jetzt super, denn die Budget- und Vertragsverhandlungen, sowie Worksheets machen oder die eine oder andere Mail beantworten - sogar die Datenbankpflege wäre von zu Hause prima möglich. Vielleicht nur Stundenweise nach 2-3 Wochen, trotzdem wäre es für mich auch eine Ablenkung zu Hause. Letztendlich weiß ich ja nicht, wie ich mich fühle, vielleicht geht es körperlich gar nicht, vielleicht aber doch. Ich werde nochmal mit dem Chef reden. Ob dann der Homeoffice Antragedann schnell genug durchgeht, ist auch noch fraglich. Trotzdem steht das auf meiner Vor-Op-To-Do-Liste!
Sehr viel auf der Arbeit anwesend sein, werde ich dann dieses Jahr wohl nicht mehr, mind. 5-6 Wochen krankgeschrieben, 8 Tage Resturlaub habe ich noch und nächste Woche habe ich ja auch Urlaub.
Immerhin läuft es beim Töchterchen wie geschmiert. Das Zimmer in Mainz ist erledigt, die Sachen schon hier. Jetzt überlegen wir, wie sie das Zeugs nach Hamburg bekommt und wann. Es wurmt mich total, dass ich sie nicht begleiten kann, aber das wäre ja ohne OP auch nicht möglich, wegen dem Hund. Es macht mich auch traurig. Wir hatten so wenig Zeit füreinander, konnten keine schönen Dinge unternehmen und jetzt geht sie weg nach Hamburg. Zumal ich weiß, dass sie wirklich Angst vor Hamburg hat. Sie will da nicht hin und das belastet sie auch. Ich bin mir zwar sicher, dass sie das rocken wird, aber ich kann sie natürlich auch verstehen. Ich wünsche mir wirklich, dass ich sie nach dem ganzen Scheiß hier, ganz bald in Hamburg besuchen kann. Auch wenn Sophie noch da ist, bis dahin sind die Hundesitter ja durch meinen Krankenhausaufenthalt und die Tage danach, geübt mit ihr. Da müssen sie dann halt nochmal ran für 2-3 Tage.
Heute will ich noch joggen gehen - meine 200 km werde ich dann dieses Jahr auch nicht schaffen. Sind noch 67,4 km. Vorher kann ich das nicht schaffen und hinterher wird das sicherlich auch lange dauern bis ich wieder laufen kann und vor allem so fit bin, dass ich 5 km am Stück schaffe. Das zweite Jahr hintereinander, in dem ich mein Ziel nicht erreiche. Ja, gibt Schlimmeres, ich weiß, aber es ärgert mich trotzdem.
So damit ende ich hier auch für heute, ob ich und wie ich weiterschreibe, werde ich nach Bauchgefühl entscheiden!




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