Noch nie ist mir die Jahresabrechnung so schwer gefallen wie diesmal Ich hatte gestern zig Anläufe und trotzdem wollten die Worte nicht so richtig fließen Ich starte heute noch einen letzten Versuch.
2021
Das zweite Jahr unter Pandemie-Bedingungen war definitiv nicht meins. Rückblickend kann ich sagen, es war eines meiner bisherigen schlechtesten Jahre überhaupt. Nicht mal die Jahre nach der Trennung empfand ich so. Das liegt sicherlich vor allem an der Pandemie und den dazugehörigen Maßnahmen, die Unberechenbarkeit und dieses "In-der-Luft-hängen". Keiner kann sagen, wie es weitergeht, ob es besser oder schlimmer wird und wie lange es noch dauert. Jedes Mal, wenn wir alle Hoffnung schöpften auf ein wenig mehr Normalität, sei es durch Maßnahmen oder durch die Impfungen, wurden wir eines Besseren belehrt. So starteten wir das Jahr im Lockdown, blieben im Dauerlockdown über Ostern und endeten es auch wieder im Lockdown. Nur eine kurze Phase im Sommer brachte uns etwas Entspannung bevor die Zahlen wieder hochschnellten. Zuerst war es Alpha, dann Beta, aber die waren noch harmlos gegen Delta und am Ende liegt der riesige Omikron-Berg vor uns. Das Licht am Ende des Tunnels zog sich immer weiter zurück, wie in den Träumen, in denen man rennt und rennt, aber man kommt doch nicht vom Fleck.
Die Politiker versagten dieses Jahr auf der ganzen Linie, die Gesellschaft spaltet sich immer weiter, der Ton wird noch rauer als er die letzten Jahre eh schon war. Die Aggressivität steigt. Dazu bekommen wir dieses Jahr auch einen guten Einblick in das, was der Klimawandel kann. Während wir hier über den Dauerregen jammerten, verloren viele Menschen in den Fluten in Deutschland ihr Leben. Auch sonst läuft es nicht rund auf dem Globus und das macht Sorgen.
Überhaupt war es für mich das Jahr der Sorgen und Ängste. Das kann ich ja eh schon gut Sorgen machen und Grübeln, aber dieses Jahr kam ich phasenweise überhaupt nicht mehr auf Normallevel. Und ich hatte halt wenig Ablenkung, kaum Highlights, so dass der Fokus sich wie ein Brennglas auf die negativen Dinge legte und wie eine Lupe sehr viel größer macht, als sie waren.
Nüchtern betrachtet sind wir trotzdem irgendwie gut durch das Jahr gekommen. Nur meine Oma mussten wir gehen lassen in diesem Jahr. Wir vermissen sie sehr, aber es hilft zu wissen, dass sie ihre letzte Reise in Würde gehen durfte nach einem erfüllten Leben.
Die beste Zeit diesen Jahres war sicherlich der Sommer mit dem Dahme-Urlaub. In diesen 10 Tagen gab es kurzeitig mal wenigstens ein bissi das Gefühl der Normalität.
Die schlimmste Zeit war für mich die Zeit ab September und für das Töchterchen die Monate Homeshooling am Anfang des Jahres.
Gesundheitlich lief es bei mir gut. Ich war nicht krank, wenn man von den Impfreaktionen mal absieht. Ich hatte allerdings lange Zeit mit einer Plantarfaszitiis zu kämpfen, die mich doch sehr einschränkte und echt schmerzhaft war. Doch ansonsten hatte ich wenig Probleme. Auch die Wechseljahrsbeschwerden hielten sich in Grenzen oder waren gar nicht vorhanden. Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn ich sehe es in meinem gleichaltrigen Umfeld, dass das eben nicht selbstverständlich ist.
Beruflich ging es stetig bergauf. Anfangs wirkte ja noch der Versetzungshorror nach, aber je länger ich im Studienzentrum war, um so sicherer wurde ich und ich mache meine Sache gut! Am Ende des Jahres erkennen das auch die Personen an, die Anfang des Jahres ziemlich an mir herumzerrten. Durch den neuen Kollegen bekam ich gute Entlastung und zwischenzeitlich hatten wir ein echt gutes Team. Leider ist das am Ende nicht mehr so, was darin geschuldet ist, dass sich der Personalmangel auch auf die Stimmung auswirkt. Gerade was die Ärzte betrifft. Mich nervt immer noch die Fremdbestimmtheit in diesem Job, aber mittlerweile komme ich besser damit klar. Gehaltstechnisch gab es einen kleinen Mini-Aufstieg, der sich aber so gut wie gar nicht auf dem Konto bemerkbar macht.
Sportlich war es ein mühsames Jahr. Ich hatte immer wieder Phasen, in denen ich mich gut motivieren konnte und mein Sportprogramm durchzog, aber ich ließ mich leicht ausbremsen. Genauso viele Phasen gab es, in denen ich gar nichts auf die Reihe bekam. Ganz schlimm war es in der Zeit ab Herbst. Aber immerhin schaffte ich doch meine 200 km und im Durchschnitt bin ich jeden Tag 10700 Schritte gegangen.
Männertechnisch lief gar nix. Wie auch? Am Anfang des Jahres machte ich mal wieder einen kurzen Ausflug ins Online Dating, was aber eher ein Reinfall war. Deswegen meldete ich mich nach einer Woche wieder ab. Und somit gab es auch keine Gelegenheit mehr in diesem Jahr irgendjemanden kennenzulernen. Im Großen und Ganzen ist das auch okay für mich, aber mal wieder flirten oder auch mal knutschen wäre halt schon schön. Aber gut, man kann sich ja keinen Mann herbeizaubern.
Mit dem Töchterchen und mir lief es gut. Wir sind durch die Corona Maßnahmen noch enger zusammen gerückt und fanden mit dem Wandern ein weiteres gemeinsames Hobby. Wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen, hatten viel Spaß und gute Gespräche. Zum Ende des Jahres wurde es dann etwas schwieriger. Zu den üblichen Streitereien in der Weihnachtszeit, merkte ich schon deutlich, dass der 18. Geburtstag in Reichweite kommt. Es beginnt ein Abnabeln, das ein anderes Kaliber hat als bisher.
Wer uns auch dieses Jahr wieder ein treuer Begleiter, Therapeut und Animateur war, Sophie. Bis auf ihre Durchfallepisoden war sie topfit. Klar, man merkt ihr das Alter schon an in allen Bereichen, aber es geht ihr gut und sie hat Spaß am Leben. Und während ihre Endgeschwindigkeit doch stark abgenommen hat, schafft sie immer noch locker eine Wanderung von 20 km. Einzig und alleine ihre mittlerweile starke Abneigung gegen das Autofahren ist für uns nicht so dolle. Deswegen lassen wir sie oft zu Hause, wo wir sie früher mitgenommen hätten.
Das vorherrschende Gefühl in diesem Jahr? Ich habe mir zu viele Sorgen gemacht, zu viel gegrübelt. Angst mischte auch zu oft mit und dann dieses Gefühl der Resignation. Gerade im November bin ich aus dieser Spirale kaum noch rausgekommen. Ich fühle mich aussichtslos, mir fehlen Perspektiven und das war eben auch das Problem von diesem Jahr. Es war in großen Teilen eben nur ein Aushalten, Durchhalten, Abarbeiten, ein dahinplätschern. Ein Abwarten! Es ist nun mal so, dass ich wenig Einfluss habe. Fremdbestimmt! Wobei nicht fremdbestimmt von anderen Personen, sondern von der Situation.
Das Töchterchen habe ich natürlich auch gefragt, wie sie das Jahr für sich abrechnet und sie kommt auf eine positive Bilanz. Nur die ersten Monate waren für sie furchtbar. Durch das dauerhafte Homeshooling über Monate und die fehlenden Kontakte zu Gleichaltrigen, hatte sie eine sehr depressive Phase, die aber zum Glück mit dem Präsenzunterricht verschwand. Für sie war der Sommer und die Vorweihnachtszeit das Beste am Jahr. Am meisten genervt war sie von ihren Freunden. Als sie dachte, sie hätte endlich eine tolle Clique gefunden, mit denen sie viele Dinge coronakonform unternehmen kann, stellte sich schnell heraus, dass das nur eine kurze Phase war. Mit dem Einstieg in die 12. Klasse und dem Klausurendruck, entwickelten sich fast alle zu Stubenhockern, die sich kaum noch vor die Tür wagten. Belastend empfand sie auch die Führerscheinsache und sie machte sich viel zu viel Druck wegen der Schule. Gerade mit Beginn der 12, wurde das extrem. Ihr persönliches Highlight war sicherlich der Dahme-Urlaub und der Kurztrip mit der Freundin nach Hannover. Gesundheitlich fühlt sie sich gut. Sie war genauso wie ich nicht krank und hat auch die Impfungen super weggesteckt, aber da ist eben auch ihre Magen-Darmproblematik, die sie ab Herbst fast jedes Wochenende geplagt hat. Dazwischen ist sie aber topfit! Mit Geige fiel dieses Jahr ihr letztes Hobby weg, was sicherlich für sie die richtige Entscheidung war, weil sie neben der Schule einfach nicht mehr zum Üben kommt. Sie ist sehr selbstständig geworden und übernimmt zunehmend die Verantwortung für ihr Leben. Was das letztere betrifft, wird sie zum Ende des Jahres sehr deutlich mit gegenüber. ;-)
Unterm Strich möchte ich dieses Jahr einfach hinter mir lassen und nach vorne schauen. Ich glaube auch nicht, dass viel von diesem Jahr in meiner Erinnerung bleibt. Es wird das zweite Jahr der Pandemie bleiben und das Jahr, in dem wir meine Oma gehen lassen mussten. Aber sicherlich kein Jahr, das bei "Weißt-du-noch-damals" einen großen Stellenwert einnehmen wird.
2022
Da mache ich mir nix vor. 2022 wird genauso anfangen, wie 2021 aufhört. In den ersten Monaten werden wir uns mit Omikron beschäftigen und ich wage keine Prognose, ob diese Mutation wirklich das Potential hat das Ende der Pandemie einzuläuten. Somit wird unser Leben erstmal so weitergehen wie bisher. Es stehen ein paar Dinge an, die immerhin das Potential auf Abwechselung haben. Das Töchterchen wird irgendwann ihre Führerscheinprüfung haben und dann ist da der 18. Geburtstag. Wahrscheinlich kann sie ihn nicht so feiern, wie gewünscht, aber trotzdem ändert dieser Tag ja vieles in ihrem Leben. Wir werden ein paar Dinge regeln müssen, was so eine Volljährigkeit eben mit sich bringt.
Und dann hoffen wir natürlich, dass wir im Sommer wenigstens nach Dahme fahren können.
Ich werde 2 Wochen mehr Urlaub haben, die ich hoffentlich gut nutzen kann.
Große Ziele und Wünsche habe ich nicht. Ich möchte wieder meine 200 km laufen und es wäre toll, wenn ich es mal schaffen würde 10 km zu laufen. Aber das ist kein Muss und kommt natürlich darauf an, wie das Joggen dieses Jahr überhaupt läuft. Ich möchte wenigstens einmal tanzen gehen und knutschen wäre klasse *lach*, aber das habe ich ja nicht selbst in der Hand. Ansonsten wünsche ich mir nur, dass wir alle gesund und von größeren Katastrophen verschont bleiben.
Das Töchterchen möchte reisen, sich einen Job suchen, noch bessere Noten schreiben, neue Freunde finden und endlich den Führerschein hinter sich bringen. Knutschen wäre auch fein. ;-) Evtl. möchte sie sich ein neues Hobby suchen, aber das hängt natürlich auch stark vom Pandemieverlauf ab.
Wir hoffen, dass wir ein weiteres, schönes Jahr mit Sophie haben und dass sie weiterhin so fit bleibt. Und wir werden jede Minute mit ihr genießen!
Pandemie-Ende wäre toll, aber ich glaube, das wird nix. Und ich fände es toll, wenn ich jetzt nicht alle 3-6 Monate geimpft werden muss.
Mein Motto für das Jahr? Schwierig! Ich kann nur versuchen das Beste aus allem zu machen, aber ist das nicht eh schon mein Motto seit Jahren?
Schauen wir einfach mal, was das Jahr 2022 für uns alle bereit hält!
In diesem Sinne: Auf ein Neues!