Dienstag, 30. Juli 2019
Gedanken....
Gestern bei dem langen Spaziergang, in der Zeit des Fußballtrainings, konnte ich für mich ein paar Gedanken, die mir schon seit ein paar Tagen durch den Kopf gehen, zusammenfassen. Etwas, was mir zwar schon die ganze Zeit unbewusst klar ist, aber ich nie so in Worte fassen konnte, wenn mir mal wieder andere Menschen Ratschläge zu meiner momentanen Lebenssituation geben wollen. Was natürlich sehr lieb gemeint ist, mich aber jedes Mal in so eine Rechtfertigungsmaschinerie bringt. Ich versuche es zu erklären und liefere irgendwie nur Ausreden, warum dies nicht geht oder das nicht. Besser fühlt man sich danach nicht. Im Gegenteil, man zweifelt an sich, grübelt, ob man sich zu sehr in der Komfortzone breitmacht. Ein Teufelskreis.
Nur hatte ich ja nun 3 Wochen und 1 Tag Urlaub. Die erste Ferienwoche war mir das Töchterchen eine so große Hilfe im Haushalt, Urlaubsvorbereitungen, Packen usw.., dass ich quasi 4 Wochen und 1 Tag im Urlaubsmodus war, mal abgesehen von den 3 stressigen Arbeitstagen vorher. Ich war also schon relativ entspannt als wir in den Urlaub starteten und die 10 Tage in Dahme waren sehr erholsam. Ich konnte nachts unglaublich gut schlafen und kopftechnisch war ich schnell weit weg von dem Alltagsmist. Als wir zurückkamen, fiel ich quasi in ein Schlafkoma. Ich schlief nachts bis zu 9 Stunden und Nachmittags hielt ich zusätzlich das eine oder andere Nickerchen. Ich war dauermüde und erst nach 3-4 Tagen war das vorbei. Am Nachmittagsnickerchen änderte sich aber bis zum Urlaubsende wenig. ;-)
Ab da hatte ich plötzlich richtig Lust mal wieder was zu unternehmen. Beim Salsa vorbeizuschauen, etwas am See trinken, mal baden am See. Das Töchterchen war etwas träger, ließ sich dann aber zu der einen oder anderen Aktion motivieren. Als die Hitze kam wurden wir erstmal wieder ausgebremst, was noch mehr Erholung mit sich brachte. Wir begannen gemeinsam Yoga zu machen, da es zum Joggen und anderen sportlichen Aktivitäten viel zu heiß war. Und ich spürte eine Unternehmungslust, die ich seit Monaten komplett verloren hatte. Ein Aha-Erlebnis, denn ähnlich ging es mir schon letzten Sommer!
Ich bin nun seit 2012 alleinerziehend, seit 2014 gab es eigentlich keine Umgangszeiten mehr mit dem Vater, seit 2017 hat das Töchterchen den Kontakt zum Vater so gut wie abgebrochen auf eigenem Wunsch. Ich wuppe unseren Alltag bis auf wenige Ausnahmen (Oma-Taxi) so gut wie alleine mit allen Sorgen, Entscheidungen, mit der ganzen alleinigen Verantwortung, wenn es um Schule, Gesundheit, Probleme in der Pubertät geht. Ich jongliere Termine, gehe Teilzeit arbeiten (mit ganz wenigen Fehltagen wegen Krankheit) und versuche mich noch irgendwie halbwegs fit zu halten. Ich laste einen Hund aus und sehe zu, dass dieser nicht zu lange alleine bleiben muss, d.h. ich arbeite deswegen weiterhin Teilzeit, was natürlich finanzielle Einbußen mit sich bringt. Ich habe sicherlich trotzdem noch gute finanzielle Bedingungen im Gegensatz zu vielen anderen, aber rechnen muss ich sehr genau. Vor allem aber, mache ich bei mir sehr viele Abstriche, einfach weil ich dem Töchterchen vieles versuche zu ermöglichen. Sie ist nicht schuld an der Misere, also soll sie es so gut haben wie es die Situation zulässt. Wir haben sehr viele Fixtermine, die oft wenig Spielraum für anderes lassen. Und ich habe einen Arbeitgeber, bei dem man in regelmäßigen Abständen in sehr belastende Situationen rutscht. Diese halten oft auch gerne mal Jahre an bis es sich wieder entspannt. Die letzten 1 1/2 Jahre waren zusätzlich schwierig, weil das Töchterchen ständig gesundheitliche Probleme hatte. Dazu kommen Wechseljahrswehwehchen bei mir und gerade im letzten Jahr hatte ich oft das Gefühl, dass manche Menschen nur noch zu mir kommen, wenn sie etwas von mir wollen oder um ihren seelischen Müll bei mir abzuladen. Das sind die Fakten! Es soll kein Gejammer sein und keine Rechtfertigung. Natürlich geht alles noch schlimmer und natürlich habe auch ich Menschen um mich, die mir in Notfällen helfen, die ein Ohr für mich haben und die mir gut tun. Aber trotzdem ist die Lebenssituation wie sie ist! Punkt!
Die Lebenslust, die mich im Sommer während oder kurz nach dem langen Urlaub ereilt, zeigt es mir ganz deutlich. Ich bin am Limit. Die Belastung kratzt oder überschreitet permanent meine Grenzen. Also setze ich knallhart Prioritäten und da bleiben mein Liebesleben, mein Partyleben und das Knüpfen von neuen sozialen Kontakten komplett auf der Strecke. Dafür habe ich einfach keine Kapazitäten mehr übrig. Manchmal dachte ich schon, ich werde zum Eremit. Aber das ist Quatsch! Ich war nun 2x beim Salsa und ich sehe jedes Mal, wie viel harte Arbeit es bedeuten würde, wenn ich dort neue Kontakte knüpfen müsste zum Tanzen und zum Quatschen. Man müsste sehr viel Zeit investieren, um Menschen zu finden, die dieses Hobby teilen und mit denen man zusammen dort hin gehen könnte. Ist es da nicht verständlich, dass ich Freitags Abends um 22 Uhr nach einer anstrengenden Woche, in der ich oft genug Antreiber und Motivator für den Teenie war, einfach zu müde und zu kaputt bin, um mich in dieses Haifischbecken zu stürzen? Ja, ist es! Das ist mir gestern beim Spazierengehen klar geworden. In Marburg und Umgebung gibt es wenig andere Möglichkeiten für Menschen um die 50 und noch weniger für Frauen, die alleine unterwegs sind.
Oft genug kam es ja auch vor, dass das Töchterchen krank wurde. Und ja, nennt mich Mutterglucke, wenn ich dann nicht den Kopf habe, mich beim Tanzen zu vergnügen, während sich das Kind zu Hause wegen Bauchschmerzen stundenlang krümmt. Ja, sie ist schon 15 und ja, sie würde das auch alleine durchstehen. Aber würde mir Tanzen an so einem Tag wirklich Spaß machen? Nein, würde es nicht. Ihr merkt schon, dass ich diese Diskussionen schon oft mit anderen hatte. Ich kann da nicht aus meiner Haut.
Leider habe ich für diese Erkenntnisse des eigentlichen Problems keine Lösung. Es gibt keine! Es ist so wie es ist. Auch wenn es sich manchmal anders liest, ich hole für mich schon das Optimum raus. Und letztendlich sieht man ja, dass es sich von alleine löst, wenn die permanente Anspannung abfällt. Dann ist sofort die Lust da rauszugehen und wieder etwas zu unternehmen. Es macht sich Lebensfreude breit.
Vom letzten Jahr weiß ich, dass ich diese Stimmung nicht lange rüber retten konnte in den Alltag. Vielleicht gelingt es mir dieses Jahr besser, aber wenn nicht, dann möchte ich mich nicht selbst frusten, sondern die Gelegenheiten und den Flow zu nutzen, wann immer es mir möglich ist!
Ich schreibe dies hier auf, damit es mir bewusst bleibt. Damit ich es nachlesen kann am Ende des Jahres oder noch später. Vielleicht hilft es auch anderen, die in ähnlichen Situationen feststecken, sich keinen Druck zu machen und das so zu akzeptieren, wie es nun mal ist.
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