...nun sind wir sicherlich fast alle im Ausnahmezustand wegen Corona angekommen. Eine Woche voller Emotionen liegt hinter uns und es kommt mir schon so vor als wären es Wochen. Ich habe mittlerweile schon komplett das Zeitgefühl verloren und das obwohl ich zu denen gehöre, die bisher ganz normal weiterarbeiten mussten. Wobei "normal" sieht anders aus.
Das Töchterchen hatte Montag bis Dienstag einen regelrechten mental Breakdown, was sicherlich auch noch dadurch unterstützt wurde, dass ich von ihr strikte Einhaltung der Vorschriften abverlangte, während viele andere in ihrem Alter sich noch frei bewegen durften. Diese mühselige Diskussion "aber die anderen....", ich dachte, die liegen lange hinter uns. Zusätzlich überschütteten die Lehrer die Kids mit Unmengen an Schulstoff und Aufgaben. Auch das trug nicht dazu bei, die Laune zu verbessern. Ab Mittwoch ging es dann aufwärts mit der Laune, soweit das in diesen Zeiten möglich ist. Und das liegt sicherlich auch daran, dass wir sehr durchstrukturierte Menschen sind. Trotzdem ist es schwer, wenn um einen herum alle so leben als wären Ferien! Aber gut, das muss sie halt jetzt ausblenden.
Auf der Arbeit herrschte auch mittleres Chaos, es fehlten klare Ansagen und ein Briefing gab es irgendwie gar nicht. Wir wurden zwar über die Kliniksleitung jeden Tag mit Informationen über Email versorgt, aber das Meiste betraf vorwiegend das Personal, das in der Patientenversorgung arbeitet. Es ist auch leider nicht so leicht in den Laboren den Mindestabstand einzuhalten. Doch im Laufe der Woche normalisierte sich zumindest im Labor das Ganze. In der Klinik selbst gibt es nun Eingangskontrollen, die wir nur mit einem entsprechenden Schreiben passieren dürfen. Seitdem herrscht in der Klinik, zumindest in unserem Bauabschnitt eine gespenstige Stille.
Freitag gab es nochmal ein Meeting, zu dem ich mich eigentlich per TeKo einwählen sollte, aber das klappte natürlich nicht. Nun bekomme ich eine Einweisung am Montag. Ich bin gespannt.
Ich habe null Ahnung, was da letztendlich auf uns zu kommt. Wir sind ja ein Forschungslabor und Vertretungsweise helfe ich mit in der Patientendiagnostik, die aber rein dermatologischer Natur ist. Ich denke, dass es durchaus im Bereich des Möglichen ist, wenn der Tsunami reinrollt, wir auch anders eingesetzt werden können. Aber diesen Kopf möchte ich mir nicht zerbrechen. Es kommt wie es kommt und so lange, werden wir einfach unsere jetzige Arbeit weitermachen, wenn möglich.
Was mich die Woche sehr geärgert hat, ist, dass ein paar Menschen glauben, es wäre Urlaubszeit oder Ferienzeit, so von wegen "Du hast doch jetzt so viel Zeit!" Nein! Hab ich nicht! Für mich hat sich rein gar nichts verändert. Das Einzige was für mich weg fällt, sind die Chauffeurdienste für das Töchterchen. Aber diese Zeit wird sofort dadurch aufgefressen, dass ich auch eine 16jährige sich nicht ganz selbst überlassen kann. Auch für sie ist es ein emotionaler Supergau! Also versuche ich in nach Feierabend Zeit mit ihr zu verbringen und dann ist auch noch der Hund, der Haushalt und der Garten. Das lenkt ab und wir sterben wenigstens nicht vor Langeweile, trotzdem ist mein Alltag jetzt genauso anstrengend wie vorher.
Dazu kommen natürlich auch die Sorgen, Ängste und diese Gedanken "Was wäre, wenn....", die ich zwar so gut es geht verdränge, aber manchmal schleichen sie sich in meinen Kopf. Jede(r) Alleinerziehende(r) ohne Plan B wird mich verstehen. Aber dieses Szenario möchte ich mir nicht vorstellen....NEIN!
Uns als Dreierteam kommt jetzt aber zu Gute, dass wir schon viele Durststrecken und andere Katastrophen miteinander durchgestanden haben, wir uns auch auf engstem Raum (vor allem emotional) recht gut verstehen und wir doch einige Dinge haben, die wir gerne gemeinsam tun. Und so lange wir noch gemeinsame Hunderunden gehen dürfen, ist alles viel einfacher.
Das Töchterchen joggt regelmäßig und der Trainer versorgt die Mädels mit Challenges, die jeder für sich absolvieren kann und die als Mannschaft gewertet werden. Die ersten 3 Familienpizzen haben sie schon in einer Woche erkämpft. Der Trainer wird arm, wenn er die Challenges erhöht. *lach* Naja, dann bekommen wir Eltern auch noch was von den Pizzen ab - irgendwann - wenn alles vorbei ist.
Mein Sport ist diese Woche so gut wie ausgefallen. Ich war einfach zu k.o. und zu müde! Aber nächste Woche versuche ich auch wieder loszulegen.
Ausserdem haben wir gestern das Fasten gebrochen! Es macht für uns keinen Sinn mehr und ehrlich, Ausnahmesituationen brauchen Ausnahmeregelungen. Für mich wäre das Fasten eh Montag in einer Woche vorbei gewesen - das Töchterchen hätte noch bis Ostern weitergemacht. Aber nun ist Fasten vorbei!
Es ist eine schwere Zeit für alle! Niemals hätte ich gedacht, das es soweit kommen würde, das wir sowas erleben müssen. Aber da sieht man mal wieder wie zerbrechlich alles ist! Und das man jeden Tag bewusst leben sollte.
Ich denke, dass wir morgen spätestens auch hier die Ausgangssperren haben werden, was für uns persönlich keine Veränderung mehr bringen wird, so lange man noch im Familienverband spazieren gehen darf. Alles andere haben wir schon strikt angepasst. Das Einzige, was wir noch ändern werden, wir werden Freitags nicht mehr zu zweit einkaufen fahren. Das macht momentan keinen Sinn, denn das Einkaufen war gestern schon furchtbar. Es tut mir leid, dass zu schreiben, aber gerade die Risikogruppe 65+, die, die wir ja eigentlich schützen wollen, scheint den Ernst der Lage nicht verstanden zu haben. Und über die Zustände in den Supermärkten mag ich gar nicht mehr schreiben!
Nun ist erstmal Wochenende, unser Kühlschrank ist voll und allen geht es gut! Das ist die Hauptsache!
Also bleibt gesund und stay at Home!



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