Schlaflos war sie definitiv, was aber nicht alleine Sophie verschuldet hat. Ich schlaf einfach grottig schlecht und das Töchterchen wohnt ja zur Zeit auch hier und sie hat definitv einen anderen Tagesrhytmus als wir. Dadurch kommen wir natürlich ziemlich durcheinander und es ist einfach mehr Unruhe bis spät in die Nacht. Ich habe also wirklich keine Ahnung, wie ich mit so wenig Schlaf dann doch so gut durch die Woche gekommen bin. Das große Problem ist, dass Sophie genau in der Zeit, in der ich meinen Powernap nachmittags machen will, gerade unruhig ist. Das hilft beim Erholen nicht wirklich.
Wie geht es Sophie? Schwierig einzuschätzen! Es ist nicht mehr so schlimm wie am Donnerstag und Freitag, aber geblieben sind ein sehr leichter und auch reduzierter Schlaf. Während sie noch vor 2 Wochen tagsüber zwischen ihren Wachphasen tief und ruhig auf ihrer Decke lag und das Fiepen sich auf kurz vorm Einschlafen und eine Weile vor den Spaziergängen beschränkte, schläft sie nun max. 1 h, dann geht alles von vorne los. Besser geworden ist dieses "Nicht ablegen können". Es kommt noch vor, aber ich muss nicht mehr so oft eingreifen meist schafft sie es auch alleine. Das Dauerfiepen im Wachzustand hat sich dafür ausgeweitet. Schlimmer geworden ist ihre Verwirrtheit morgens. Sie findet oft nicht mehr ins Haus, es kann auch länger dauern bis sie weiß, wo die Schüssel ist, obwohl sie direkt davor steht. Dafür hält sich die Verwirrtheit tagsüber ansonsten in Grenzen. Die Nächte waren unterschiedlich. Die letzten beiden war sie recht ruhig, oder ich schlafe wieder besser und höre es nicht, bedeutet dann aber trotzdem, dass sie es schafft sich selbst zu regulieren. Heute morgen war sie - natürlich wieder, wenn ich nicht arbeiten muss - schon um 5.40 Uhr wach und ist vom Sofa runter. Da ich mir aber sicher war, sie muss noch nicht dringend, habe ich sie einfach gepackt und zurück aufs Sofa gebracht, wo sie tatsächlich nochmal eingepennt ist. Dafür war sie heute morgen dann nochmal verpeilter und wusste überhaupt nicht mehr, was sie tun soll. *lach* Sie hat sogar vergessen Kreise im Garten zu drehen, dafür hing sie am Stuhl fest im Regen. Ich wollte sie gerade befreien, da hatte sie es aber selbst hinbekommen.
Das Spazierengehen war prima, lag aber sicherlich auch an den kühleren Temperaturen. Allerdings muss ich aufpassen, dass sie es jetzt nicht mit ihrem Gehopse übertreibt. Anfang der Woche ist sie auf der Wiese so losgesprintet, dass ich dachte, sie bricht sich gleich alle Beine. Sie wich einem Schmetterling aus und landete in einem Loch, da hat sie sich dann vertreten und stand erstmal krumm und belämmert in der Wiese. *grmpf* Sie lief dann den ganzen Tag etwas unrund, konnte aber alle Pfoten belasten und am nächsten Tag war auch alles gut. Einmal purzelte sie mir in einen trockenen, weichen Graben. Sie suchte eine Pinkelstelle und kam halt immer näher an den Rand, zack saß sie drin und guckte ganz überrascht "Was mache ich hier und wie komme ich hier hin". Ich hab sie dann rausgeholt. Wenn wir zum Spazierengehen losgehen, habe ich die Einfahrt runter einen hoppelnden Hasen an der Leine - unfassbar! So eine Hopse! Von daher bin ich mir tatsächlich nicht so sicher, ob die Spritze doch leicht wirkt. Nicht bei ihrem eigentlichen Demenzproblem, aber vielleicht hat es doch irgendwie leicht gezwickt. Ich schau mal, wie es wird, wenn es wieder heiß wird. Bei kühlerem Wetter hatte sie ja immer Phasen, wo sie viel besser lief.
Gestern allerdings hat sie was gezeigt, was sie nicht mehr so oft macht. Sie hat zwar immer noch Interesse an anderen Hunden, nimmt auch vorsichtig Kontakt auf, aber gestern war das sehr viel deutlicher. Sie lief nicht mal ihre Kreise, während ich mich mit den anderen Hundebesitzern unterhielt. Sondern sie nahm mehrfach Kontakt zum Hund auf, die Hündin hatte aber nicht so wirklich Lust auf sie. *lach*
Was mir an mir selbst auffällt ist, dass es immer nach der gleichen Dynamik abläuft. Zuerst kommt der Schock, die Verunsicherung, der Frust, das Selbstmitleid, wenn es einen neuen Schub gibt. Wenn er so schlimm ist, wie der letzte, muss ich natürlich zum Tierarzt und ein paar Dinge abklären zu lassen. Dann kommt die Beobachtungsphase, man ist komplett überfordert, hadert mit allem und möchte am Liebsten alles hinter sich lassen. Und irgendwann schleicht sich so eine neue Routine ein, man lernt auszuhalten, justiert nach und man schafft es sogar Dinge hinzunehmen. Wenn sie extrem fiept auf ihrer Decke liegend und ich einfach an der Routine festhalten muss, weil sonst alles noch viel schlimmer wird, dann versuch ich sie noch einmal oder zweimal zu beruhigen, aber dann ist auch gut. Dann muss sie halt fiepen. Wenn ich es schwer ertragen kann oder selbst einfach mal Ruhe brauche, sitze ich auf Terrasse oder mach die Tür zwischen uns zu. Hört sich fies an, ist aber Selbsterhaltungstrieb. Ich kann ihr eh nicht helfen. Ich hab alles versucht, streicheln, spazieren gehen, Alternativbeschäftigung - liegt sie wieder auf ihrer Decke, geht das Fiepen weiter. Erst wenn sie schläft, hört es auf und auf den Schlaf habe ich nun mal keinen Einfluss. Ich sag mir dann immer, soll sie am Tage fiepen, dann ist sie Nachts müde. Und bleiben wir mal bei den Fakten, ich muss an 4 Tagen arbeiten und bin 5 1/2 h weg. Daran geht auch kein Weg vorbei! Wenn ich mir da den Kopf mache, wie es ihr ergeht, dreh ich selbst durch, also schiebe ich den Gedanken weg und bisher gab es noch keine Beschwerden seitens meiner Vermieter. Sollte der Tag kommen, an dem sie durchjammert oder ich sie immer wieder in aussichtslosen Situationen bzw. in großem Stress wiederfinde, wenn ich nach Hause komme, dann muss man neu überlegen. Im Übrigen kann es auch vorkommen, dass sie 4 h fast durchfiept, wenn das Töchterchen da ist.
Was mich mittlerweile echt nervt, sind Bemerkungen anderer Hundebesitzer. "Also ich würde sie einschläfern lassen" oder "Ist es nicht jetzt mal langsam Zeit sie gehen zu lassen" sind so beliebte Kommentare. Ja, sie hören von mir natürlich oft die Dinge, die schwierig sind und ja man kann die Frage stellen, ob sie noch Lebensqualität hat. Aber von außen vorwurfsvoll zu urteilen, ist natürlich leicht! Wer noch keinen dementen Hund hatte, hat keine Ahnung, was das bedeutet! Und ich bin die letzte, die sich an einen sterbenden Hund klammern würde, der leidet. Im Gegenteil, für mich wäre auch vieles leichter, wenn ich diese Entscheidung zeitnah treffen könnte. Ein Leben ohne Sophie wird schwer, aber das jetzige Leben mit Sophie ist auch sehr hart! Aber es gibt halt auch noch einen Tierarzt, der mitentscheidet und wenn der sagt, er sieht noch keinen leidenden Hund, dann habe ich auch wenig Einfluss auf seine Entscheidung. Interessanterweise zählt dieses Argument nicht. "Ich würde beim Tierarzt drauf bestehen" habe ich einmal gehört. Ähm, ich glaube, mein Tierarzt hat ansonsten eher das Problem, dass die Besitzer zu lange festhalten und ich vertraue ihm voll. Davon mal abgesehen, sehe ich bis auf das Fiepen und die jetzt reduzierte Schlafzeit, tatsächlich keinen Hund, er sich aufgegeben hat. Ich würde mir ewig vorwerfen, dass ich die Entscheidung nur getroffen habe, weil ich endlich wieder ein Leben haben möchte. Ich zieh das jetzt durch mit ihr und ich hoffe, dass es wirklich so ist, wie fast alle Hundebesitzer sagen "du wirst es wissen, wenn es so weit ist, sie zeigen es dir". Und dann wird das eine Entscheidung sein, die ich gemeinsam mit dem Tierarzt treffen werde. Und sonst niemand wird daran beteiligt sein!
So, und nun packe ich mir meine verwirrte Wurst mal und geh mir ihr die Morgenroutinerunde, auf der sie nix machen wird und auf die sie nach 300 m auch keine Lust mehr hat. *lach*
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen