Nun ist die Renovierung so gut wie abgeschlossen, das Geld auf den Kopf gehauen und anstatt mich darüber zu freuen, wie schön alles ist - pünktlich mit dem schönen Wetter - fühle ich mich lost. Die Wohnung kommt mir nun noch viel größer vor, das Schlafzimmer ist ein Saal und ich weiß nicht so richtig wohin mit mir. Körperlich passt sich an den seelischen Zustand an, das Renovieren war zwar sau anstrengend, aber die Schulter hat bis letzte Woche gut mit gemacht. Seitdem ich aber nun auch noch im Labor mithelfe, zickt sie so stark rum, wie schon lange nicht mehr. Klar, ich hatte neben Renovierung, Arbeit, Hund keine Muße mehr Sport zu machen und wahrscheinlich rächt sich das jetzt. Ich sags doch immer "kein Sport ist auch keine Lösung". Eigentlich müsste ich mich also wieder auf Kurs bringen, weiß aber nicht, wie ich das starten soll. Sport würde mir auch seelisch helfen, das weiß ich.
Vorgestern habe ich den ersten Versuch gestartet und bin nach der 18 Uhr Hunderunde nochmal alleine losgezogen. Mit dem Ergebnis, dass ich es doof fand ohne Sophie gehen zu müssen, aber sie schafft das auf keinen Fall mehr. Ich habe sie und unsere Spaziergänge so vermisst, so wie sie früher waren und die Tatsache, dass das nie wieder so sein wird, hat das alles nicht besser gemacht. Auch die Spaziergänge mit dem Töchterchen sind mir in den Kopf gekommen, aber die fanden ja schon seit der Abizeit nicht mehr so statt. Trotzdem ist da diese Wehmut. Und zu allem Übel, wollte Sophie dann bei der letzten Runde mal wieder kein Pipi machen, so dass ich am Ende bei 27000 Schritte angekommen bin. Ein Pensum, das ich auch nicht öfters schaffe. Vor allem auch vom Zeitfaktor her. Zu Hause bleibt nämlich eh schon alles liegen. Besuch darf ich nur den empfangen, der hart im Nehmen ist.
Gestern war ich dann so k.o., dass ich ausser dem üblichen Programm gar nix zusätzlich gemacht habe. Trotzdem waren es wieder 18000 Schritte. Viele denken jetzt, ist doch super, so viele Schritte. Ja, wären sie auch, wenn sie Spaß machen würden. Aber die meiste Zeit davon bete ich, dass Sophie ihre Geschäfte erledigt oder schiebe sie an. Oder sie peilt plötzlich unsere größte Runde an, wenn ich es nicht erwarte, bevorzugt, wenn ich die unbequemen Gartenschuhe anhabe und lässt sich zum Umdrehen nicht bewegen. Natürlich gehe ich dann auf sie ein, wenn sie laufen will, aber der Rückweg ist immer sehr zäh, weil sie irgendwann merkt, dass sie doch keine Lust mehr hat. Abkürzen können wir aber an der Stelle nicht mehr. Ich habe wirklich schon alles versucht, das zu entspannen, zu entzerren, mehr nach ihren Bedürfnissen zu schauen. Das Problem ist, wenn ein Hund seine Bedürfnisse selbst nicht mehr kennt und ich nicht in sie reinschauen kann, bleibt mir nur ein fester Tagesablauf mit Abschätzen, wann sie vielleicht dringend genug muss, dass es jetzt Sinn macht. Meine Beobachtung ist nämlich, dass sie anscheinend wirklich dringend muss, um zu wissen, was sie machen soll. Ansonsten weiß sie es schlichtweg nicht. Aber auch mit festen Tagesablauf heißt das noch lange nicht, dass sie die Geschäfte passend erledigt, dass ich meine Pläne durchführen kann. Nur ein Beispiel, wenn sie das letzte große Geschäft vor 12 h gemacht hat, ich gerne eine Radtour machen würde, sie aber bei der Gassirunde kurz vorher wieder nichts macht, kann ich die Radtour knicken. Es sei denn, ich will das Risiko eingehen, dass es in die Wohnung geht. Und genauso ist es zur Zeit mit dem kleinen Geschäft. Es ist das erste, was sie morgens gegen 6 Uhr macht, das nächste wird sie definitiv erst mind. 4 h später machen, meist ist die Pause noch länger. Bedeutet für mich, ich muss um 12 Uhr wieder zu Hause sein. Nachmittags ist es noch enger.
Soziale Kontakte pflegen oder vielleicht sogar neue aufbauen, geht zur Zeit schlecht bis gar nicht. Irgendwo um eine feste Uhrzeit sein, um für 2-3 h was für mich zu machen - geht nicht. Ich kann im Prinzip alles nur um den Hund herum bauen und somit habe ich wenig Möglichkeiten an meinem Zustand etwas zu ändern.
Mal in die Strandbar fahren? Wandern? Längere Radtouren? Ausflüge, die eine längere Anfahrt als bis nach Marburg haben? An den See fahren? Ins Schwimmbad? Ich habe ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie ich das machen soll.
Ich bin ein Mensch, der auch gut alleine sein kann mit sich selbst. Aber nach dem letzten Jahr, mit dem frischen Empty Nest und der Tatsache, dass es auch sehr belastend ist, zuzusehen, wie der Seelenhund zerfällt, immer der Gedanke im Kopf, wann muss ich die Entscheidung für sie treffen, ist das gerade einfach alles zu viel.
Die finanzielle Situation, die angespannte Stimmung auf der Arbeit, der Weggang des Lieblingsarzt und die Tatsache, dass ich nicht weiß, ob ich mir dann mit Mitte 50 nochmal einen neuen Arbeitgeber suchen muss, wenn ich bei uns nicht aufstocken kann, machen es nicht besser.
Und irgendwie habe ich das Gefühl, ich drehe mich seit Jahren im Kreis. Ich komme einfach nicht von der Stelle. Immer wenn ich denke, jetzt kann ich durchstarten, mich wieder in den Fokus rücken, renne ich gegen eine weitere fremdbestimmte Wand, die ich weder abreißen noch anders überwinden kann. Sondern ich muss dahinter warten, bis sie verschwindet - von alleine.
Leider hilft auch der Gedanke nicht, dass das absehbar ist. Das waren alle Dinge in der Vergangenheit. Alles waren nur Phasen! Aber bisher waren die nächsten Phasen auch nicht besser. Nur anders! Neue Herausforderungen und genauso fremdbestimmt.
Nur mittlerweile habe ich das Gefühl, mir läuft die Lebenszeit davon!
Heute ist auch wieder so ein Tag. Neben Einkaufen, Hund, muss auch noch der Rasen gemäht werden. Wenn ich denn heute an den Rasenmäher komme. Denn eigentlich wollte ich schon Mittwoch mähen, aber da kam ich nicht an den Rasenmäher. Und das Gras ist schon so hoch, das wird richtig anstrengend. Das ist die einzige Gartenarbeit, die ich überhaupt nicht leiden kann.
Die vorgezogenen Pflanzen müssen endlich mal in die großen Töpfe, sonst wird das nix mehr mit denen. Aber dazu fehlt mir noch die Erde, sonst hätte ich das gestern machen können.
Die Bude muss sauber gemacht, die Hundedecken gewaschen werden und durch das Kokosöl sieht das Sofa trotz Decken ganz schlimm aus. Auch so was, was ich nicht mehr in den Griff bekomme.
Somit wird das mit dem Sport heute auch wieder knapp. Aber zumindest die Schulterübungen muss ich unbedingt machen. Und deswegen höre ich nun auf zu jammern und setze mich mal in Bewegung. Sophie ist auch mega unruhig, was sicherlich daran liegt, dass das große Geschäft drückt.
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