Freitag, 18. Dezember 2020

18. Dezember

 



Schluss mit dem zwanghaften Versuch so zu tun, als wäre alles schön weihnachtlich und heimelig. Gar nix ist gut und weihnachtlich ist hier auch nix. Fangen wir bei den explodierenden Zahlen an, bei Pflegeheimen, in denen sich die Bewohner von jetzt auf gleich sich selbst überlassen werden, weil die gesamte Belegschaft in Quarantäne gesetzt wurden. Die vielen Toten und die Hoffnungslosigkeit, die sich bei mir angesichts der nächsten Monate breit macht. Ich glaube nicht, dass wir die Zahlen mit diesem Lockdown wirklich schnell runterbekommen, weil er schlichtweg viel zu spät kam. 

Auf der Arbeit bin ich an einen Punkt angekommen, der einer komplett Überlastung entspricht. Ich bin so erschöpft, frustriert und resigniert in den Urlaub gestartet, wie nie. Mit dem Wissen, dass es nach dem Urlaub noch schlimmer wird. Es wird mir schwer fallen abzuschalten, aber hey, immerhin schlaf ich gut. Ich wache halt nur irgendwann zwischen 4.30 und 5 Uhr auf und der erste Gedanke dreht sich um das Arbeitshamsterrad. Wenn ich nicht so tolle Kolleginnen hätte, die genauso wie ich versuchen auf die Bremse zu drücken und auf das nicht mehr zu bewältigende Arbeitspensum hinweisen, hätte ich wohl schon lange die Segel gestrichen. Nur leider hört keiner zu und der einzige der es ändern könnte, schafft immer noch mehr Arbeit ran. Durch Corona, Urlaubszeit und Personalmangel hat sich die Situation nochmal zugespitzt. Ich hoffe darauf, dass unser Arbeitgeber bald auf Notbetrieb umstellt, dass würde uns auch etwas mehr Luft verschaffen. Keine Ahnung, wie das weitergehen soll. Im Januar bekommen wir einen neuen Kollegen, aber ich befürchte, das wird nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Und so bete ich mir mein Mantra vor....ich muss cooler werden, ich muss aufhören mich für alles verantwortlich zu fühlen, ich brauch ein dickeres Fell. Schwierig, sehr schwierig. Jetzt versuche ich erstmal irgendwie die Arbeit aus meinem Kopf zu bekommen, das wird sicherlich ein paar Tage dauern.

Einen kleinen Schreck bekamen wir dann auch noch, weil meine Oma in Krankenhaus gebracht wurde. Die Pflegerin hat auf ein Lungenpfeifen hingewiesen. Und da klingen natürlich bei allen die Alarmglocken, aber als die Ärztin dann später meine Mutter anrief, um zu fragen, warum meine Oma überhaupt im Krankenhaus ist, waren wir alle erleichtert. Und auch da zeigt sich dann das ganze Corona-Elend, weil meine Mutter eine über 90jährige mutterseelenalleine ins Krankenhaus fahren lassen muss. Aber nun ist sie wieder zurück und ich würde sie gerne mal in den Arm nehmen und drücken, doch leider geht auch das nicht. Wir wissen nicht mal, ob wir sie sehen können über die Weihnachtszeit. Notfalls muss ein Videochat her. 

Dem Töchterchen geht es jetzt gut, sie liebt Homeshooling, auch wenn sie natürlich auch schnell gemerkt hat, dass ihr doch die persönlichen Kontakte fehlen. Sie hält sich jetzt brav auch an die Kontaktbeschränkungen, damit wir ohne Gefahr mit meiner Mutter feiern können und sie vorher wie jedes Jahr zu ihrer anderen Oma gehen kann. Mir macht nur ein wenig Sorgen, dass ihre Erwartungen an Weihnachten dieses Jahr noch höher sind als eh schon und irgendwie kann das halt nur in die Hose gehen. Vor allem setzt es mich wieder unter Druck alles schön zu machen und alle meine Sorgen auszublenden. Für Letzteres bin ich aber nicht der Typ. Ich hab das nun angesprochen bei ihr, dass zu hohe Erwartungen selten erfüllt werden und dass ich momentan nicht die Kraft habe, das auch noch aufzufangen. Wenn wir es in dieser Zeit schaffen zu dritt einen harmonischen Heiligabend zu verbringen, dann ist das sicherlich schon ein Geschenk. Aber so tun, als ob alles in Ordnung wäre in diesem Jahr, dass wird nicht funktionieren. Zu viele da draußen haben eben ganz andere Sorgen oder liegen über Heiligabend alleine beatmet im Krankenhaus. 

Heute werde ich den hoffentlich letzten Großeinkauf machen, das wird eine echte Herausforderung und ich werde endlich mal weiter Geschenke einpacken, mir einen Plan machen, wann ich wie mit den selbstgemachten Geschenken loslege, aber wir haben auch ein paar Dinge gestrichen, weil wir uns Druck rausnehmen wollen. So backen wir dieses Jahr keine Plätzchen mehr für die Ur-Omas. Wir wissen sowieso nicht, wann und ob sie unser Weihnachtsgeschenk überreicht bekommen. Aber keine Sorge, eine Kleinigkeit gibt es trotzdem und ich denke, ich werde beide auf alle Fälle telefonisch kontaktieren als Zeichen, dass wir an sie denken.

Joggen gehen wollte ich auch diese Woche. Eigentlich schon gestern, doch wegen der Überstunden war ich zu fertig und auch zu spät, da ich im Hellen erst noch andere Dinge machen wollte. Und Joggen im Dunkeln möchte ich auch nicht. Vielleicht morgen oder Übermorgen. 

Und nun tief durchatmen, mich daran erinnern, dass ich nun gut 2 Wochen Urlaub habe und versuchen zur Ruhe zu kommen.

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