Am Samstag spitzte sich Sophies Unruhe immer weiter zu und ich überlegte, ob ich doch noch in der Praxis anrufen sollte, aber dann legte sie sich doch mal ab und schlief. Sie fraß sehr gut und die Gassirunden waren auch okay, aber ich traf für mich eine Entscheidung, dass ich diesen Zustand nicht mehr lange verantworten kann. Und als sie sich ab Nachmittags gar nicht mehr ablegte, war ich sogar kurz davor den Notdienst anzurufen. Ich wusste einfach nicht mehr, was ich noch machen soll! Allerdings hatte ein Tierarzt Notdienst, der doch ziemlich entfernt war und ich traute mir eine solche Fahrt um diese Uhrzeit mit einem im Auto jaulenden Hund nicht alleine zu. In meiner Verzweiflung gab ich Sophie als letzten Versuch eine Gabapentin und zum Glück wirkte sie nach 45 min. so gut, dass wir endlich mal ein paar Stunden am Stück schlafen konnten. Diesmal waren die Nebenwirkungen auch nicht so schlimm, sie war etwas torkelig, aber laufen konnte sie. Und Fressen, sie hatte ordentlichen Kohldampf! Am Vormittag hielt die beruhigende Wirkung auch noch eine Weile an, aber ab Mittags ging es wieder los mit der Unruhe. Man kann sich das kaum vorstellen, wenn man es nicht mit erlebt und so traf ich eine finale Entscheidung - es ist Zeit sie gehen zu lassen! Ich teilte allen meine Entscheidung mit und so kam Nachmittags meine Freundin mit ihrer Hündin Ella zum Verabschieden. Ein schöner, tröstlicher Moment, weil Sophie tatsächlich nochmal alle Kraft zusammennahm und immer wieder Kontakt zu Ella aufnahm. Sie lief ihr hinterher, schnupperte an ihr und suchte ständig ihre Nähe! Ella konnte mit ihrer dementen Freundin nicht mehr so viel anfangen, aber sie hielt es freundlich aus.
Beim Abendspaziergang kamen mir kurz mal Zweifel, weil sie plötzlich wieder so gut lief und wir eine echt große Runde machen konnten in einem ordentlichen Tempo. Und sie schnupperte wieder. Doch das hielt nicht lange an, die Unruhe steigerte sich zu Hause schnell und so bekam sie gegen 21 Uhr eine weitere Gabapentin und damit war die Nacht halbwegs ruhig.
Am Montag übernahm vormittags mein Papa die Schicht und so musste sie nur eine Stunde alleine sein, doch das war schon zu lange. Er fand sie hechelnd, jammernd und drehend in ihrem Gefängnis. :-(
Ich rief gleich um 9 Uhr beim Tierarzt an, er hörte kurz zu und gab dann sofort seine Einwilligung, sie zu erlösen. Leider hatte er an dem Tag keine Möglichkeit zu mir nach Hause zu kommen, aber ich wollte keinen Tag länger warten, deswegen willigte ich ein um 15.45 Uhr in die Praxis zu kommen.
Diese Stunden bis dahin waren natürlich fürchterlich, aber auch irgendwie wichtig! Mein Papa nutzte die Zeit mit ihr alleine, um sich zu verabschieden und als ich dann mit ihr alleine war, stellte ich mich komplett auf ihre Bedürfnisse ein. Wir gingen 2x spazieren, aber sie hatte ja kaum noch Kraft, so kamen wir nicht weit. Sie bekam Fressen, wenn sie wollte und wenn sie Nähe zuließ, knuddelte ich sie und sog ihren typischen Geruch ein. Gegen 14.30 Uhr schlief sie ein!
Meine Mutter kam dann irgendwann, sie sollte mir bei der Autofahrt helfen und sie wollte auch gerne dabei sein. Als Sophie gegen 15.15 Uhr aufwachte, ging ich noch ein letztes Mal mit ihr auf ihre geliebte Wiese.
Und dann mussten wir los! Die Autofahrt - die ja nur 5 min. dauert - war grauenhaft. Obwohl meine Mutter mit ihr auf dem Rücksitz saß, ließ sie sich kaum festhalten und jaulte die ganze Zeit herzzerreißend. :-(
Vor der Praxis angekommen bin ich erstmal mit ihr um den Block, damit sie Stress abbauen kann. Zum Glück hatten wir auch noch eine freundliche Hundebegegnung, die sie ablenkte. Und dann machte meine Mutter ein letztes Foto!
Mein Papa war auch da, er würde dann den Teil "danach" übernehmen.
Gegen ca. 15.55 Uhr schlief sie friedlich in meinem Arm ein! Sie zeigte in der Praxis keinerlei Stress und Unruhe mehr, ließ sich ohne Gegenwehr die Beruhigungsspritze geben, während ich mit ihr auf dem Boden saß. Natürlich flossen viele Tränen, aber in dem Moment war alles genau richtig. Es war der richtige Zeitpunkt! Und der Himmel empfing sie mit strahlendem Sonnenschein! Trotz der Traurigkeit hatte das Ganze auch etwas Tröstliches! Sie hatte es geschafft!
Und sie fehlt soooo sehr hier! Ihre Aura ist noch überall in der Wohnung, die Lücke, die sie vor allem bei mir hinterlässt, ist unfassbar groß.
Ich hatte ja so unglaubliche Angst, dass diese schlimme Demenzzeit alles kaputt macht und ich mich nicht mehr an die schönen Zeiten erinnern kann. Dass ich eher erleichtert bin, die Belastung los zu sein. Aber das war unbegründet! Zum Glück! Das ist alles in der Tierarztpraxis geblieben. Die einzige Erleichterung, die ich empfinde, ist die, dass ich doch die Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt treffen konnte. So lange hat mich das belastet, nicht den richtigen Moment zu erwischen - aber es ist tatsächlich so, wie es viele Hundebesitzer sagen: "Sie zeigen dir, wenn es so weit ist!"
Ich bin dankbar für die tolle Zeit mit Sophie! Mehr als 13 Jahre war sie an unserer Seite!
In den letzten Tagen habe ich wirklich jede einzelne Sekunde an Sophie gedacht, viele Tränen geweint, die Trauer hat aber auch irgendwie was Tröstliches, ich kann es gar nicht beschreiben. Ihre Sachen habe ich schon weggeräumt. Ich bin ein Mensch, der das sofort machen muss - sie ist auch so noch überall präsent. Und ich schaue mir immer wieder Fotos an - so viele gibt es von ihr, von uns zusammen, von ihr mit Töchterchen und von uns zu dritt.
Es war eine tolle Zeit und sie war immer an unserer Seite. Sie war eigentlich nur ein oder zweimal für ein paar Tage oder mal eine Nacht von uns getrennt und das ist auch schon ewig her. Sophie war der beste Hund, den man haben kann! Danke!
"Every step I take
Every move I make
Every single day, every time I pray
I′ll be missin' you
Thinkin' of the day
When you went away
What a life to take, what a bond to break
I′ll be missin′ you"
(aus "I'll be missing you" von Puff Daddy)



1 Kommentar:
Jetzt habe ich auch ein paar Tränchen vergossen. Du hast alles richtig gemacht. Ich habe deine Haltung die ganze Zeit bewundert. Fühl dich gedrückt. Liebe Grüße, Andrea
Kommentar veröffentlichen