Samstag, 21. September 2024

Schlimmer geht immer!

Wenn mir in den nächsten Wochen noch einmal jemand sagt, ich solle positiv denken oder irgendwann kommen bessere Zeiten, dann ist dieser jenige echt lebensmüde. Ich glaube, dann muss ich nämlich echt ausrasten. Auch wenn ich, weiß, dass es nur lieb gemeint ist. 

Wo fange ich an? Am Besten gleich beim letzten Sonntag. Oder besser noch beim Samstag, denn das ist die Vorgeschichte zu Sonntag. Sophie hatte Samstag nämlich einen ganz schlimmen unruhigen Tag. Ich bin fast zu gar nichts gekommen und bis gegen 15 Uhr habe ich mich auch noch im Griff gehabt und bin ruhig geblieben. Aber ab da ging fast gar nix mehr. Kein Beruhigen, kein Streicheln, kein Schimpfen, kein Nix. Sie jammert, drehte, fiepte eigentlich stundenlang durch. Wie die Nacht dann war, habe ich verdrängt, ich kann es euch heute echt nicht mehr sagen. Deswegen beschloss ich Sonntag Morgen, ihr die erste Gabapentin zu geben. Vor der Gabe war sie noch sehr torkelig vom Schwindel, aber ansonsten guter Dinge. Nach dem Spaziergang, der Tablettengabe und dem Ablegen auf ihrem Platz, pennte sie sofort ein und rührte sich 6 Stunden gar nicht mehr. Sie hat nicht mal die Schlafposition verändert, das war wirklich gruselig. Gegen Mittag musste ich sie wecken, weil ich Angst hatte, dass sie nicht merkt, wenn sie Pipi muss. Sie war vollkommen lethargisch, aber das war gar nicht mal das Schlimmste, im Prinzip war sie halb gelähmt. Sie konnte nicht mal mehr länger alleine Sitzen, auch die Vorderpfoten, die noch nie Probleme gemacht haben, brachen oder rutschten ihr sogar auf dem Teppich weg. Ohne Hilfe konnte sie gar nix mehr. In Bewegung ging es dann halbweg mit viel Stütze und Laufen wie besoffen, aber immerhin hat sie Pipi machen können. Fressen ging nur, wenn ich sie mit einer Hand im Sitzen stützte und mit der anderen Hand den Napf  vor sie hielt. Es war einfach nur furchtbar, und wenn ich nicht gewusst hätte, dass Gabapentin in Einzelfällen so reinhauen kann und es eine kurze Wirkzeit hat, wäre ich wohl mit ihr zum Notarzt gefahren. So habe ich abgewartet. Blöderweise ließ zuerst die Beruhigungswirkung nach, erst eine Stunde später wurde es mit der Lähmung besser. Erlärt mal einem dementen Hund, dass Aufstehen und Drangwandern oder Drehen keine so gute Idee ist, wenn man sich nicht mal im Sitzen aufrecht halten kann. Bis Abend lief es dann langsam wieder besser und letztendlich blieb halt der Schwindel zurück. Aber für mich war ganz klar, diese Tabletten wird sie niemals nimmer nicht nochmal bekommen. Ab Montag hatten wir dann wirklich ruhige Tage. Sie jammerte weniger, schlief sehr viel, legte sich meist gleich ab und auch die Nächte wurden besser. Da sie ja bei der letzten Librela auch an Tag 3-5 so müde war, schob ich das erstmal darauf. Montag kam dann auch endlich das "Schlafgefängnis" und ich bin mega begeistert. Es passt genau in die Nische rein, ihre normale Schlafunterlage füllt es perfekt aus und es macht einen stabilen Eindruck. Sie hat es auch sofort angenommen und die Nächte wurden tatsächlich immer ruhiger. Keine Ahnung, ob Zufall oder durch das Vitofyllin, was sie ja seit Freitag bekommen hat. Auf alle Fälle war die Veränderung so deutlich, auch nach Tag 5 nach Librela, dass ich mir am Donnerstag noch 2 Blister vom Tierarzt holte. Sie dreht eindeutig weniger, hat weniger Drankwandern, was sich allerdings nun auch auf die Spaziergänge auswirkt. Die Strecken sind wieder deutlich kleiner geworden. Aber insgesamt, konnten wir einfach mal die Woche durchschnaufen. 

Leider musste ich mal wieder ihre Lieblingsstrecke streichen, nach den Zecken und zugewachsenen Wegen bis in den Sommer rein, fliegen nun im Wald und drumherum die Hirschlausfliegen. In Scharen. 6 Stück habe ich von mir abgesammelt und getötet, auf 2 Spaziergängen. Um Sophie fliegen sie halt auch rum und die Viecher sind nicht lustig, wenn sie dich als Wirt toll finden. Das Risiko möchte ich einfach nicht eingehen, weder für mich noch für Sophie. Also meide ich den Weg und Sophie findet das blöd. Die anderen Wege läuft sie einfach schlechter, aber was soll ich tun. Durchhalten werden wir das wohl bis Ende Oktober müssen. Ganz toll!

Zusätzlich entdeckte ich eine offene Stelle zwischen den Zehen an der Hinterpfote. Da sie ein paar Mal in den Dornen hängen blieb, weil sie ins Gebüsch torkelte bevor ich reagieren konnte, gehe ich mal davon aus, dass die Wunde daher kommt. Ich habe sie desinfiziert und dann war ich mit anderen Dingen - dazu gleich - so beschäftigt, dass ich sie erstmal vergessen habe. Als die heutige Nacht ab 21 Uhr sowas von unruhig war, habe ich gesehen, dass die Stelle wieder nässt und etwas größer geworden ist. Also habe ich sie mitten in der Nacht nochmal gesäubert. Aber unruhig blieb es natürlich. Im Stundentakt, was ich jedes 2. Mal bei ihr, um sie zu beruhigen. Heute morgen sieht es schon besser aus und ich habe jetzt erstmal einen kleinen Verband drumgemacht und ihr den Schuh angezogen. 

Aber das ist fast alles noch harmlos gegen, das, was ich dann gestern erfuhr. Ich stehe eigentlich immer noch unter Schock und habe überhaupt keine Ahnung, wie ich das jetzt noch bewältigen soll, wo ich schon seit Monaten, teilweise schon seit letzten Jahr am Limit bin. Ich war gestern ja bei meiner Gyn. Vorsorge, die ich letztes Jahr habe ausfallen lassen und im Jahr davor wurde ich super gründlich untersucht wegen der Dauerblutung. Da war alles prima. Prima sah es eigentlich auch gestern erstmal aus. Aber sie fand es komisch, dass ich immer noch mit 54 meine Periode bekomme wie ein Uhrwerk. Zur Sicherheit wollte sie einen Ultraschall machen. Am Ende des US hieß es dann mal direkt "Gebärmutterentfernung"! Wtf! Ich dachte, mich trifft der Schlag. Da gehste ohne Beschwerden zur Ärztin und gehst mit der Aussicht auf eine große OP raus. Grund: ein schnellwachsendes Myom! Sie entdeckte es vor 2 Jahren, da war es halt noch 2,7 cm und an einer nicht störenden Stelle. Aber nun ist es 6 cm und laut ihr, wächst das zu schnell und weil ich immer noch einen Zyklus habe, würde es weiter mit Hormonen befeuert werden. Ein Neues kleines hat sie auch noch entdeckt und mir halt totale Panik gemacht, dass das am Besten alles sofort raus muss. Ein Alptraum! Mal abgesehen davon, dass sie mit ihrer Art und Weise mir natürlich Angst macht, dass doch was Böses dahinter steckt, weiß ich überhaupt nicht, wie ich das mit der OP und dem dementen Hund stemmen soll. Das ist ja kein Spaziergang. Schon wenn alles super verläuft, bin ich je nach OP Variante, mal locker 5 Tage im Krankenhaus, danach muss ich mich weiter schonen und bin nicht wirklich alltagstauglich, schon gar nicht für einen dementen Hund und kann auch wahrscheinlich erst wieder nach insgesamt 6 Wochen arbeiten. Wenn alles gut geht, wohlgemerkt. Da ich ja anscheinend momentan einen echten miesen Lauf habe, bin ich mir nicht so sicher, ob ich darauf hoffen kann. 

Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie das im Worst Case mit Sophie laufen soll. Ich kann sie nirgends mehr hingeben, dafür ist es zu spät, sie packt das nicht mehr. Also müsste sich hier jemand mindestens für die Zeit, in der ich im Krankenhaus bin, einquartieren. Wer soll das denn machen? Meine Tochter geht ab Oktober nach Hamburg, die fällt komplett weg, ob ich bis zu den Semesterferien Zeit habe, weiß ich nicht - sollte ich am Donnerstag, da habe ich den Termin im Krankenhaus zur Beurteilung erfahren, dass kein Weg dran vorbeigeht, werde ich ganz sicherlich auch nicht noch 6 Monate warten. Dann bringe ich es so schnell wie möglich hinter mich. 

Aber auch nach dem Krankenhaus bin ich ja nicht voll einsatzfähig, schonen mit einem dementen Hund ist schwierig. Heute nacht musste ich x Mal zu ihr hin. Tagsüber hinlegen und schlafen, auch schwierig, weil sie oft ja nur kurz pennt. 4 Runden muss ich bewältigen und was ist, wenn sie zum Tierarzt muss. Ich darf sie ja nicht heben. Sie ist schwerer als 5 kg. Wie gehe ich einkaufen, wie versorge ich den Haushalt. Fragen über Fragen und ein so richtig großer Kackhaufen, wenn man alleine lebt. 

Ja, natürlich habe ich Menschen im Umfeld, die helfen wollen, aber durch Sophie ist das eine ganz andere Dimension! Ich möchte einfach nur aus diesem Alptraum aufwachen. 

Dazu kommt, dass ich bis auf meine Mandel-Op als Kind und dem sekundären KS nie im Krankenhaus war. Ich bekomme jetzt schon Panikattacken, wenn ich nur daran denke. Ich kenne Frauen mit einer langen Leidensgeschichte, die einfach nur froh waren, als die Gebärmutter draußen war. Sie fanden die OP nicht so schlimm, ja man ist länger nicht fit, aber letztendlich sind die halt mit einer ganzen anderen Ausgangssituation reingegangen. Ich habe aber keine Beschwerden, nix! Ich gehe da ohne jegliche Probleme hin. Ich will das einfach nicht! 

Am Donnerstag habe ich den Termin in der empfohlenen Klinik, dort wird wahrscheinlich dann nochmal genau untersucht. Ich habe natürlich auch recherchiert und eigentlich macht mal eine Gebärmutterentfernung heutzutage gar nicht mehr so schnell, aber ich finde auch nur wenig darüber, wie schnell ein Myom wachsen darf. Dazu gibt es anscheinend wenig Studien. In den meisten Fällen, in denen operiert wird, haben die Frauen halt massive Probleme. Und über die Folgeprobleme einer Entfernung brauchen wir ja gar nicht zu reden. Ja, die meisten, die ich kenne, haben keine Probleme, auch 20 Jahre danach nicht. Aber das ist sicherlich auch nicht immer die Regel. 

Tja, was soll ich sagen....schauen wir mal, welche Katastrophen noch dazu kommen. Schlimmer geht ja immer!

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