Ich beneide Menschen, die gut verdrängen können. Oder die sich einfach weniger Gedanken machen. Ich wäre gerne auch so, das würde mir mein Leben viel leichter machen. Es gab mal eine Zeit nach der Scheidung, da ist mir das eigentlich ganz gut gelungen - aber in den letzten Jahren nimmt das "Gedanken machen", "sich Sorgen" und "ewige Gedankenspirale" bedenkliche Züge an. Naja, aber irgendwie sind meine Sorgen ja auch nicht wirklich unbegründet. Vieles davon ist ja nun auch eingetroffen, manches sogar schlimmer als erwartet. Ob das nun meine finanziellen Probleme, die Sache mit Sophie ist oder jetzt das mit meinem gesundheitlichen Problem - das hatte ich übrigens so gar nicht auf dem Schirm - also nix mit selbsterfüllenden Prophezeiung. Ich bin sogar am Freitag guter Dinge zu dem Termin.
Wie gerne würde ich das jetzt erstmal bis Donnerstag wegschieben, abwarten, was die in der Klinik überhaupt dazu sagen, aber ich bekomme es halt nicht mal 5 min. aus meinem Kopf raus. Wo ja nun auch schon 4 Millionen Gedanken bezüglich Sophie, der Zimmersuche in Hamburg und die finanzielle Jongliererei kreisen. Viel Platz ist da also nicht! Immerhin wird sich ja wenigstens das mit Hamburg irgendwann in den nächsten Wochen klären - wie gesagt, zwei Übergangsangebote hat sie schon bekommen, eins davon aber viel zu teuer, wie sich dann herausstellte.
Somit kreisen meine Gedanken 24 h um eins dieser Dinge herum, Schwerpunkt natürlich zur Zeit auf den Unterleib! Ich komme da auch nur schwer raus, gibt ja wenig Ablenkung. Ausser Sophie, aber die ist ja auch Bestandteil meines Gedankenkarussells und auch ein wichtiger Grund, warum so eine OP - wenn sie nötig ist - nochmal schwieriger zu organisieren ist. Da kommen mir so Gedanken in den Kopf "Was ist, wenn ich im Krankenhaus liege und ihr geht es so schlecht, dass sie eingeschläfert werden muss, wie soll ich das aus der Ferne beurteilen und vor allem würde ich mir nie verzeihen, wenn ich dann nicht bei ihr sein kann!" Nur ein kleines Beispiel!
Das Blöde daran ist aber, dass ich das Leben um mich herum kaum noch wahrnehme. Ich konnte nicht mal das Wetter genießen. Ich saß wie gelähmt auf meiner Terrasse und nahm wenig wahr. Für heute habe ich mir allerdings vorgenommen joggen zu gehen, danach die Bude sauberzumachen, das habe ich zwei Tage nicht erledigen können - ich war einfach nicht in der Lage zwischen Sophie und Gedanken machen. Und natürlich habe ich auch viel recherchiert. Mittlerweile aber ohne neuen Erkenntnisse.
Immerhin habe ich mir gestern fest vorgenommen, mein Sportpensum wieder zu erhöhen, soweit das neben Sophie eben möglich ist. Ich will sozusagen vorarbeiten, denn sollte der Eingriff stattfinden, ist danach erstmal lange Zeit wenig bis gar nix möglich. Soweit habe ich das aus ehrlichen Berichten herausgelesen - besonders der einer jüngeren Sportlerin. Falls es dann doch nicht nötig ist - woran ich mittlerweile nach meinen Recherchen nicht so wirklich mehr glaube - schadet es ja auch nicht, wieder straffer und fitter zu sein. Ich habe es eh schleifen lassen - zumindest das Krafttraining.
Da nächste Woche zumindest zeitweise Töchterchen da ist und ich danach die Woche Urlaub habe, sollte ich auch mehr Zeit dafür haben.
Positiver Nebeneffekt - Sport reduziert Stresshormone, macht den Kopf freier und lenkt ab. Bisher hat mir das immer gut geholfen.
So, der wirre Hund hat gefressen und will nun unbedingt raus, wo sie nach 300 m feststellt, dass sie eigentlich keine Bock hat morgens. Schon mal gar nicht, wenn wir nicht ihre Lieblingsrunde laufen.
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